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Hallo,
ich lerne gerade Norwegisch mit meiner norwegischen Freundin und meinem Lehrbuch "Assimil - Norwegisch ohne Muehe". In dem Buch wird auf Seite 19 erklaert, dass der unbestimmte Artikel fuer maennliche und weibliche Substantive gleich ist, naemlich "en". Meine Freundin (aus Trondheim) hat das gleich berichtigt und mir erklaert, dass fuer weibliche Substantive "ei" der unbestimmte Artikel ist. Assimil bleibt jedenfalls dabei und sagt z.B. auf Seite 21 "Hva er klokken" (anstatt "klokka"). Auch der Rest des Buch scheint dabei zu bleiben bis zum "Grammatikalischem Anhang" auf Seite 421. Dort wird gesagt, dass der unbestimmte Artikel fuer weibliche Substantive "ei" ist ( wie meine Freundin ;-) ).
Ist das schon mehreren Leuten aufgefallen? Ich bin ganz schoen durcheinander und weiss nicht so recht, was ich davon halten soll. Vielleicht hat das ja auch einen Grund und jemand kann das erklaeren. Waere schoen , wenn jemand darauf eine Antwort haette.
Vielen Dank im voraus und Gruss,
Guido Rost

13.01.05 04:13
Hallo!
Der webliche Artikel ist "ei", der männliche "en"! Es ist jedoch nicht verkehrt, auch "en" für weibliche Substantive zu benutzen. In Bergen z.B. benutzt niemand "ei" (so auch ich nicht, da ich in Bergen lebe!). Es ist also abhängig von der Region. Falls man sich entscheidet, nicht "ei" zu benutzen, sollte man sich angewöhnen, das Geschlecht in einigen Situationen zu präzisieren (anstatt: "Jeg har truffet en." sagt man besser "Jeg har truffet en jente.") Kann aus Erfahrung sagen, dass es zu (manchmal lustigen) Missverständnissen führen kann!
Also, keine Panik! Alles wird gut! Das Buch allerdings sollte mal überarbeitet werden!
Grüsse aus Bergen und viel Erfolg weiterhin!
Danel

13.01.05 04:13
Heisse natürlich "Daniel"!

13.01.05 04:22
Vielen Dank fuer die Antwort. Meine Frage ist dann aber, ob in Bergen Dialekt gesprochen wird oder pures bookmal? Gibt es in bookmal "en" und "ei" oder nur "en" fuer maennliche und weibliche Substantive.
Gruss,
Guido

13.01.05 04:24
Daniel hat recht. Aber außer in Bergen ist der weibliche Artikel zumindest in der gesprochenen Sprache sehr verbreitet. Du solltest dir daher wenigstens für einige wichtige Wörter einprägen, dass sie auch weiblich sein können. Folge einfach dem Beispiel deiner Freundin. Im Grammatikteil dieser Seiten findest du auch eine Übersicht über Endungen, die zu weiblichen Substantiven gehören (wenn man sich für diese Unterscheidung entscheidet).
Wowi

13.01.05 04:26
In Bokmål ist das wahlfrei. Nur Riksmål (nicht offiziell, sehr konservatives bokmål) kennt nur et/en und nicht ei.

13.01.05 04:29
Ich denke auch, dass Du die richtigen weiblichen Formen lernen solltest. Ist sicherlich sinnvoll, alleine schon weil Du doch mit Deiner Freundin korrekt kommunizieren willst, oder!? In Bergen wird "Bergensk" gesprochen, und da gibt es eben kein "hunkjønn". Aber bokmål unterscheidet natürlich zwischen männlich und weiblich!
Gruss nochmal!
Daniel

14.01.05 04:52
Guido, einige Dialekte sind naeher an bokmål einige naeher an nynorsk, "pures" bokmål oder nynorsk kann man nicht sprechen. Beides sind reine Schriftsprachen und ein Aequivalent zum Hochdeutschen gibt es in Norwegen nicht. Mach dich also locker, zumindest wenns ums Sprechen geht, am Ende wirst du doch eine seltsame Mischung aus verschiedenen Dialekten sprechen.
Beste hilsen,
Thomas

14.01.05 20:52
Vielen Dank an alle die geantwortet haben. Es war sehr hilfreich. Es ist nur etwas komisch, dass ich die Lektionen im Buch ohne den weiblichen Artikel durcharbeite und gleichzeitig weiss, dass ich den Artikel dann in der realen Welt brauche.
Ich denke nur, dass es ziemlich unachtsam im Lehrbuch von Assimil ist, im Grammatikanhang auf einmal den weibliche Artikel zu erwaehnen. Das ist ein Inkonsistenz, die doch schnellstens Ueberarbeitet werden sollte.
Vielen Dank nochmal an alle. Das ist ein super Forum hier.
Gruss,
Guido

14.01.05 22:06
Ja, der Thomas hat schon recht! Wenn Du erst mal flüssig sporichst, braust Du Dir schon Deinen eigenen Dialekt zusammen! Kleiner Tipp: Achte auf Nuancen bei der Aussprache! Wenn Du nicht willst, dass man Dich aufgrund Deines Akzentes sofort als Deutscher entlarvt, ist es ratsam, genau hinzuhøren und sich regionale Besonderheiten exakt einzuprägen und anzueignen.
Lykke til videre og kos dokker!
Daniel

14.01.05 23:55
Das Nebeneinander der verschiedenen Sprachformen ist für Deutsche schon gewöhnungsbedürftig. Interessant ist ja auch, das es wohl im Norwegischen nicht zwei Autoren gibt, die eine identische Rechtschreibung pflegen.Vergleiche mal Agnar Mykle mit Ingvar Ambjørnson oder gar Herbjørg Wassmo, deren Bücher die einzigen mir bekannten sind, in denen die Formen " krona " und " kvinna " auftauchen, oder nimm Dir Hamsunausgaben aus verschiedenen Jahrzehnten vor.
Ob die norwegische Sprachpolitik mit ihren Reformen, Freistellungen und Varianten einen glücklichen Weg eingeschlagen hat, kann man sein Leben lang diskutieren.Die ständigen Änderungen lassen die Sprache kurzlebig erscheinen. Selbst in den 50er oder 60er Jahren geschriebenes Norwegisch kann heute schon antiquiert und für viele unleserlich wirken.
Ein Ausländer der Norwegisch lernt ist sicher gut bedient, sich erstmal am Bokmål seines Lehrbuches zu orientieren. Später, wenn man sich weiter in die Sprache und ( falls es einen interessiert ) in die Sprachgeschichte vertieft hat, kann man immer noch entscheiden, welche Formen man erhalten und welche man umgehen will.
Es gibt übrigens durchaus Norweger, die fast reines Riksmål sprechen ( Kåre Willoch, Inge Lønning ). Echte Nynorskapologeten sind schon seltener hier handelt es sich ja um eine echte Kunstsprache.

M.

16.01.05 19:01
Zu M: Habe bisher nur Nynorskapologeten getroffen, die leben (zumindest hier in Trondheim) als eine Art verfolgte Art und das mit der "kuenstlichen" Sprache wuerden sie sich verbieten :-) Alles in allem mag ich den Norwegischen Weg der Vielfalt und des laissez faire lieber als den der Deutschen Standardisierung. Auch wenn das wirklich gerade fuer uns Auslaender verwirrend sein kann. Was es mit "der Sprache" tut, wage ich nicht zu beurteilen.
Zu Daniel: Ich habe schon lange aufgegeben, nicht am Akzent/Dialekt als Auslaender erkannt zu werden. Der Dialekt ist hier in Norwegen so ein wichtiges Herkunfts-Erkennungsmerkmal, dass alle da schon ganz genau hinhoeren. Mein Ziel zur Zeit ist als Daene durchzugehen :-)

16.01.05 22:20
Hei !
Also ich wohne seit ca. 4 Jahren in Norwegen (bin Deutscher) und war hier auf dem Sprachkurs.
Dort wurde mir gesagt das diese Sache mit "ei" und "en" mehr Umgangssprache ist. Im Grunde ist "en" das offiziele und es ist nicht falsch wenn man das benutzt. Hier wo ich wohne, Horten (ca. 100 km suedlich von Oslo) benutzt man diese "ei" genauso wie du es beschreibst und ich gehe mehr und mehr auch dahin, weil ich es jeden Tag hier so hoere.
Ich wuerde an deiner Stelle in erster Linie "en" und "et" lernen. Das sind die Dinge die zu behalten sind. Der Rest ergibt sich falls man plant im Land hier wohnen zu bleiben.
Das sit mein Tip.

17.01.05 00:11
Ja, das mit der "Kunstsprache " hoehren die Freunde Aasens und Vinjes nicht gern. Wie sehr der Sprachenstreit, der in den 20er Jahren neben Landsmaal und Riksmaal auch noch das Slagsmaal als gemeinsame Basis der Verstaendigung kannte, noch die Gemueter beschaeftigt, konnte man im Dezember mal wieder ganz schoen sehen, als sich Vertreter beider Sprachformen im Feuilleton der Aftenposten vorrechneten, das der jeweils andere es doller mit den Nazis getrieben hat.
Auch der aus Trøndelag stammende Agnar Mykle hat zu dem Thema " Bokmål/Nynorsk "nicht geschwiegen ( siehe das Kapitel " Sangen om draugen " im Roman " Rubicon " ).
Die meisten Deutschen, die ich hier kenne, verfahren nach der Methode beim Sprechen drei Geschlechter zu benutzen und entscheiden sich nur schriftlich für die Riksmålvariante mit Neutrum und Genus communis .Es handelt sich ja nicht um ein Fehlen des Femininums, sondern um eine Zusammenfassung männlicher und weiblicher Worte, denen die " sächlichen " gegenübergestellt werden.
Die Lebendigkeit des Norwegischen kann sicher auch vorteilhaft ausgenutzt werden ( Film, Literatur, Bühne ), doch ist es bedenklich, wenn der Text der Verfassung allein auf Grund seiner Sprachgestalt nur noch schwer zugänglich ist.
Norwegisch ist ( und das meine ich ganz wertfrei )ein gutes Beispiel dafür, wohin staatliche Sprachplanung führt.

M.

19.01.05 05:10
Hei!
Hier nochmal Daniel! Als Dæne zu gelten, bin ich langsam schon leid! Anfangs habe ich das noch als Kompliment aufgefasst. Lebe jetzt seit drei Jahren hier in Bergen. Und tatsächlich ist es mir einmal passiert, dass mich zwei Frauen aus Molde für einen echten Bergenser gehalten haben. Wahrscheinlich weil die selbst so nen verkorksten Dialekt sprechen und eben bergensisch nicht so gut kennen. Solche Momente machen einen natürlich unheimlich stolz! (Stort smil!) Es lohnt sich also auf jeden Fall, den Einheimischen nach zu eifern, auch wenn irgendein noch so kleiner Akzent wohl immer bleiben wird.

21.01.05 05:15
Hei zusammen.
Mir hat man das mit eneiet mal so erklärt:
Der weibliche Artikel ist erst in den 70ern überhaupt im
norwegischen eingeführt worden. Die Bergenser haben es in
ihren Dialekt gleich gar nicht aufgenommen. Und bei allem
anderen gibt es dann da wo es einen weiblichen Artikel
(jetzt) gibt auch immernoch den alten Artikel. Z.B.
ei bok en bok oder ei en jente.
Und ja, in Bergen wird Dialekt gesprochen. Reines Bokmål
spricht glaube ich in ganz Norwegen niemand - obwohl
Oslonorsk dem sehr nahe kommen soll (was auch oft das ist,
was dann in den Sprachkursen in Dt. gesprochen wird).

Wiebke

21.01.05 05:41
Das mit dem "ei" aus den 70er Jahren ist, glaube ich, Quatsch!

21.01.05 23:28
Oder um es anders auszudrücken; die Erklärung ist falsch, aber doch nicht uninteressant. Die a - Endungen wurden in zahlreichen Reformen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Bokmål eingeführt. Als es in den 70er Jahren im Zuge allgemeiner gesellschaftlicher Veränderungen auch zu einer Emanzipation der Dialekte kam ,war es plötzlich nicht mehr verpönt außerhalb seines Dorfes etwas anderes als Bokmål zu sprechen. Mit den Dialekten, die sich ihren Platz im täglichen Umgang und nach und nach auch in den Medien eroberten bekam man nun allerhand merkwürdige Lautbildungen (itj, ikkje, korkje, kvisleis, kordan, vonbroten ,nedåtgnekje , eg . æ , I ) und natürlich auch die jeweiligen Flektionen der Mundarten (z. B a - Endungen )zu hören . Radikale Zeitungen wie z. B. " Klassekampen " drückten ihren Anspruch auf gesellschaftliche Umgestaltung auch durch eine radikale Sprache aus.Insofern kann man schon sagen, die a - Endungen seien in den 70er jahren " in das allgemeine Bewßtsein eingeführt " worden.

M.

22.01.05 10:41
Warum sprechen dann alle älteren Norweger schon ihr Leben lang so wie sie sprechen (z.B. ikje, eg, æ, kordan...)? Das war denen auch schon in den 50er Jahren bewusst!?

26.01.05 16:00
vie gethes

29.01.05 01:28
got