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Guten Tag,
wie kann man denn "på gjengrodde stier" (Buch von Knut Hamsun) übersetzen?
Danke im Voraus für die Antworten.

Martin

11.01.09 15:20
wörtlich: "auf zugewachsenen Treppen"

sinnbildlich vermutlich: "auf verborgenen Wegen"

11.01.09 15:24
oh ja - vielen Dank. Jetzt leuchtet's mir ein.

Martin

11.01.09 15:25, Thea K. no
Nicht Treppen, sondern Pfade;)

Ich hab das Buch nicht gelesen, weil Hamsun mir Angst einjagt und ich Tolstoi viel besser finde, also kann ich falsch liegen, aber ich würde sagen, dass es sinnbildlich gemeint ist: Einen Weg zu gehen, der nicht viele gehen. Wie das Robert Frost-Gedicht The Road Not Taken. Für die, die es nicht kennen:

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I—
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

11.01.09 17:10
Unglaublich, wie das "politisch korrekte" Norwegen nach dem Krieg mit dem Nobelpreisträger Hamsun umgesprungen ist (siehe obiger Wiki-Link)!

11.01.09 18:58, Thea K. no
Naja, ich finde es unglaublich, wie der demokratische Wohlfahrtsstaat Österreich mit der Kriegszeit umgegangen ist/noch immer umgeht: "lalalalalalalala ich hör nichts wir haben nichts getan lalalalalala". Die Uni-Adresse ist "KARL RENNER Ring 1". Eine Uni, die am Karl Renner-Ring ist. Ironisch. (sollte mich nicht wundern, es gibt ja auch eine metternich-straße). Nach dem Krieg haben die Menschen gesagt "Mmm ich hab ganz vergessen, dass ich NS-Mitglied war, das wollte ich ja gar nicht" und sie wurden dann in Ruhe gelassen. Immer noch wohnen hier Menschen, die unglaubliche Grausamheiten begangen haben, die nicht dafür bestraft wurden. Die Menschen sagen, sie wussten nichts, obwohl spät im Krieg Todesmärsche durch den Städten geführt wurden und Menschen auf offener Straße getötet wurden. Großeltern sagen immer noch, dass sie froh waren, dass Hitler an der Macht war, weil sie Jobs bekommen haben. Jobs? Um aufzurüsten, so dass Teile der Menschheit ermordet werden konnten? Das sind keine Jobs, das sind Mord, Hass und Schreibtischtäter. Die Österreicher waren so froh als Hitler einmarschierte, dass er gleich den Anschluss verordnet hat, obwohl der eigentliche Plan war, zu warten. Die Menschen waren aber so begeistert, dass es gleich am nächsten Tag geschah. So begeistert waren die Österreicher, dass sie ohne Befehle von NSDAP so viele Juden so brutal ermordet haben, dass NSDAP die Entwicklung bremsen musste, weil es zu wild wurde. Das ist ja verrückt, NSDAP haben empfunden, dass ZU VIELE Juden ermordet wurden. Wie wild musste es dann sein, wenn die größten Judenhasser es als zu wild bezeichnet haben.

Mein Professor hat über einen SS-Mann erzählt, der 60 Jahre in Österreich lebte, ohne dass es jemand „aufgefallen“ ist, dass seine Nazizeit nicht bestraft wurde. 1946 wurde nach ihm gefahndet, aber offensichtlich nicht sehr gründlich. Es stand im Telefonbuch und hat meinem Professor offen gesagt, er war mit der Frau verheiratet, die in alten Dokumenten erwähnt wurde, als die Frau vom SS-Mann. Er hat Interviews mit meinem Professor gemacht und hat über seine SS-Zeit offen geredet, ohne Reue. JETZT laufen die Ermittlungen.

Solche Leute wohnen also in Österreich.

Jetzt haben "alle" FPÖ gewählt. Ich schäme mich dafür, dass ich hier wohne.

11.01.09 20:20
Übrigens: auch aus der norwegischen Nachkriegsgeschichte gibt es mehr als genug Beispiele von unsäglichen Übergriffen gegenüber Minoritätsgruppen (nicht nur gegenüber "tyskerbarn" und denen, die die falsche Seite gewählt hatten, sondern z.B. auch gegenüber Zigeunern - und früher in der Geschichte gegenüber den Samen) - Übergriffe, die "Nazimethoden" in nichts nachstehen ...

11.01.09 23:03
Det finnes ingen land som ikke har svin på skogen.
Staslin

12.01.09 10:00
Hm, wie einem Hamsun Angst einjagen kann, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft.

Das Hauptproblem bei der ganzen Hamsun-Debatte scheint mir das verbreitete Unvermögen zu sein, Person und Werk eines Künstlers voneinander zu trennen (worunter, nebenbei bemerkt, auch die Kunstrezeption leide). Man kann Autoren wie Ezra Pound, Bertolt Brecht, Peter Handke etc. trotz politischer Idiotie für große Schriftsteller halten, und mit Hamsun verhält es sich nun mal so, daß er bedeutendste Prosaautor war, den Norwegen je hervorgebracht hat, und Sult ist heute noch mindestens so modern wie alle Kulturradikale, Profil-Autoren und Neuer-Wein-Schreiber.

Leider kommt auch heute bei jeder norwegischen Hamsun-Diskussion der Kniereflex "Landssviker". Abgesehen davon, daß hier mit falschen Kategorien operiert wird und daß es heute, über 60 Jahre später, reichlich billig ist, sich auf die Seite der moralisch Überlegenen zu stellen (das war es übrigens '45 auch schon), ist das ein enormes Hindernis, wenn es gilt, der Bedeutung Hamsuns gerecht zu werden.

Geissler, der nur empfehlen kann, einmal vorurteilsfrei Markens Grøde zu lesen und auf die Zwischentöne zu achten.

12.01.09 14:10, Thea K. no
Hamsun macht mir Angst, weil es mir an der Schulzeit erinnert, wo Literatur nicht ausgewählt sondern aufgezwungen wurde. Meiner Meinung nach (und zwar nur meiner Meinung nach und nicht um irgendjemanden zu beleidigen) gibt es andere, die besser waren, in Norwegen und anderswo. Sogar meine Norwegischlehrerin-Mutter findet Hamsun überbewertet. Dass alle Antisemiten waren ist klar, so auch Kant und Hegel, aber ich find einfach dass Hamsun nicht sehr interessant ist. Ich les lieber Tolstoi, Emily Dickinson, die Brontë-Schwestern, sogar eher Skram oder Ibsen als Hamsun. But that's just me. Die besten norwegischen Künstler sind meiner Meinung nach Hans Fredrik Gude und Adolph Tidemand.

12.01.09 14:48
Du bringst es mal wieder auf den Punkt, Geissler, danke! Markens Grøde habe ich sehr genossen.
Mit so bastanten Bewertungen würde ich aufpassen, Thea. Ich habe auch meine Favoriten unter den Schriftstellern, aber man sollte immer offen sein für Ungewohntes. Alles ist relativ.
Ingeling

12.01.09 15:05, Thea K. no
Ja, alles ist relativ, deshalb hab ich betont, dass es sich nur um meine Meinungen handelt, aber es tut mir leid, wenn ich jemanden beleidigt habe, das war nicht meine Absicht. Ich werde nur allzu leicht aufgebracht und hatte ein Paar schlechten Tage. Nochmals, es tut mir leid wenn ich jemanden verärgert habe.

12.01.09 15:12, Geissler de
Thea schrieb:
> Meiner Meinung nach (und zwar nur meiner Meinung nach und nicht um irgendjemanden zu beleidigen) gibt es andere, die besser waren, in Norwegen und anderswo.

Rein interessehalber: An wen denkst Du da (in Norwegen)?
Und Gude und Tidemand waren ja keine direkten Konkurrenten Hamsuns. :-)
Geissler

12.01.09 17:46, Thea K. no
10:00 hat über Künstler generell geschrieben, deshalb hab ich nicht nur Schriftsteller erwähnt.
Ich sollte vielleicht nichts mehr sagen, bevor meine Laune besser ist, aber...
An wen ich denke:
De fire store. De er jo de fire store.
Arnulf Øverland.
Halldis Moren Vesaas.
Inger Hagerup. Sie ist einfach toll. Sie kann sowas schreiben wie "De brente våre gårder. De drepte våre menn. La våre hjerter hamre det om og om igjen", und sie kann AUCH sowas schreiben wie "Mauren. Liten? Jeg? Langtifra. Jeg er akkurat stor nok. Fyller meg selv helt på langs og på tvers fra øverst til nederst. Er du større enn deg selv kanskje?"

13.01.09 10:54, Geissler de
10:00 war ich, unterschrieben, jedoch nicht eingeloggt. (In letzter Zeit wirft mich Heinzelnisse in regelmäßigen Abständen wieder raus.)

Ich habe im Eingangssatz das Wort "Künstler" benutzt, weil es eine allegmeingültige Aussage ist, mich dann aber in der Folge auf Schriftsteller begrenzt. Ich würde nie eine Aussage treffen, Hamsun sei der größte Künstler Norwegens, weil ich erstens über andere Kunstgattungen zu begrenzte Kenntnisse besitze und zweitens gar keine Vergleichskriterien kenne, mit denen man so etwas messen könnte. ("War Munch ein größerer Maler als Ibsen Dramatiker?" Eine absurde Frage!)

Wenn Du mein Posting von 10:00 noch einmal durchliest, wist du außerdem bemerken, daß ich mich auf "Prosaschriftsteller" beschränkt habe. Damit fallen Øverland, Hagerup und H.M. Vesaas auch aus der Wertung, wie auch der unbestritten größte der "fire store", nämlich Ibsen.

Zu den anderen muß man sagen, daß "De fire store" nichts weiter ist als ein Marketinggag von Gyldendal, der zudem auf einem engen Literaturbegriff beruht, nämlich realistischer Literatur des "Modernen Durchbruchs". Und sogar innerhalb dieses engen Rahmens würde ich Arne Garborg jederzeit den recht konventionellen Kielland, Lie und Bjørnson vorziehen -- bloß ist der bei Aschehoug, also dem falschen Verlag. :-)

Neben Garborg halte ich auch Tarjei Vesaas für einen Großen, und derzeit ist für meine Begriffe Hans Herbjørnsrud der originellste norwegische Prosaist.

Übrigens: Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe mich in keinster Weise beleidigt oder auf den Schlips getreten gefühlt.

Geissler

13.01.09 11:42, Thea K. no
Ok, jeg legger meg flat. Jeg tror at jeg bør få komme unna med noen sleivete, lite gjennomtenkte bemerkninger når man tar alderen min i betraktning, jeg antar at jeg med mine 24 år er yngre enn de fleste andre som i år 2009 "gidder" å lese noe som helst som er skrevet før 1960 og som har bilder av Gude og Kittelsen på veggen. Jeg ville ikke at det skulle bli en absurd diskusjon om Ibsen er større enn Munch eller om engelske eller russiske forfattere er bedre enn norske. Jeg forsøkte bare å formulere min egne subjektive mening som er begrenset til kun meg selv, siden man ikke kan prate for andre enn seg selv. Derfor tok jeg ingen ekspertmeninger, analyser eller lignende i betraktning, kun mine egne, veldig subjektive følelser og erfaringer som jeg har samlet gjennom mine få år vinglende rundt på denne planeten. Neste gang skal jeg være mer forsiktig, slik at jeg ikke ender opp i en absurd debatt om dikt er større enn fotografi eller om Hemingway er bedre enn Melville eller en konstruktivistisk debatt om noe eksisterer eller kan være sant i det hele tatt. Når jeg kommer hjem i februar kanskje jeg skulle grave fram Hamsun og andre norske forfattere og la de gamle russerne, britene og amerikanerne ligge.

13.01.09 14:00, Geissler de
Det var ikke meningen at du skulle legge deg flat, og det er jo helt i orden at du kommer med subjektive bemerkninger. Og for all del, ikke la de ikke-norske ligge. Mye bra der òg! ;-)
Jeg etterlyser bare en diskusjon om Hamsun som baserer seg på hans litterære verdi, og som ikke bryr seg om han var landssviker eller ikke. En sånn diskusjon synes fremdeles å være vanskelig å føre i Norge.
Det er forresten interessant å se hvordan forskjellig oppfantning man har om norske forfatteres betydning i Norge og i utlandet. De fleste av 1800-tallets storesom står på skolepensum i Norge har enten aldri slått gjennom i utlandet eller blitt glemt (Garborg var en bestselger i Tyskland i sin tid). Det lysende unntaket er selvfølgelig Ibsen.

Forresten har du jo rett med det du skrev om Østerrike. Østerrikeren har lyktes med å stilisere seg selv til "Hitlers første offer", noe som blir litt vanskelig å tro når man ser den begeistringen østerrikerne hilste Hitler velkommen med i 1938.

Geissler

13.01.09 20:03
" Wer früher schon für Adolf war, sagt auch jetzt zu Adolf JA " ( fra valgkampen til SPÖs presidentkandidat Adolf Schärf engang på 1960 - tallet ).

Legger inn en Hamsun - lenke:http://www.aftenposten.no/meninger/kronikker/article2814122.ece
Jeg synes forfatteren sier veldig bra hvorfor Hamsun er problematisk. Vi ønsker oss et idol ,og ender opp med et menneske som har sine sorte sider.

Lemmi

13.01.09 22:42, Thea K. no
Hahaha, bra valgkamp:D Veldig mye har det ikke endret seg, for en par år sida var et av slagorda til FPØ "Daham statt Islam".

Problemet er at alle mennesker har sorte sider. Kanskje er det akkurat derfor at det passer så bra å "skylde på" Hamsun. Late som om man selv alltid var veldig i mot krigen, i stedet for at man huket seg ned og håpet på bedre tider, som de fleste nordmenn gjorde. Først når det var klart at "vi" kom til å vinne krigen, ble plutselig mange medlemmer av motstandsbevegelsen. I ettertid fyller vi museer med biter av historien som passer inn i bildet av Norge som et modig land som turte å stå i mot. Når det prates om motstandsfolk blir folk fra Oslo Vest nevnt, i stedet for alle på landsbygda, som bestefaren min som var med "gutta på skogen" og nektet å delta i "Hitlerarbeid". Antageligvis har jeg også glorifisert hvor mye motstand bestefar gjorde. Jeg tror alle forsøker å hvitvaske fortida, si "det var de som begynte!", lete etter helter og syndebukker og legge skylda på alle andre enn seg selv. Og det er mye enklere å se verden i svart-hvitt. Hamsun blir den svarte sauen, fordi det er så enkelt å legge skylda på noen andre.

14.01.09 09:15
Daham statt Islam >> lyder som sauebreking

Lemmi

14.01.09 14:05
zur Hamsun-lenke in "aftenposten":

Hm, könnte man die Definition von Hamsun nicht auch auf die Schreibweise des Artikelverfasser selbst anwenden? Er argumentiert so schön und einleuchtend, dass bei mir auch schon wieder ein Glöckchen bimmelt.
Jetzt muss ich wohl erst noch einmal in Hamsuns Bücher selbst reingucken (habe ich mich verführen lassen?)
Ingeling