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Ich habe so eine Dialektfrage. Manchmal wird bei Namen ein "a" vorangestellt. Also z.B.: 'a Ingrid. Soll wohl eine besondere Form von Zuneigung zu dieser Person ausdrücken. Hat das jemand schon mal gehört? Und gibt es etwas vergleichbares auch im Deutschen? Danke schon mal

16.03.09 20:27
Das ist eine spezielle Form des persönlichen Pronomens "hun", und es ist ganz üblich, so ein hun/han oder entsprechende Dialektformen vor den Namen zu setzen. Entsprechendes im Deutschen? Vielleicht, dass der bestimmte Artikel oft vor den Namen gesetzt wird.

16.03.09 20:34
a = hun , ist im im Osloer Osten, sowie in den ostnorwegischen Diaketen eine unformelle, leutselige Art, von Frauen zu sprechen. ( Vi har ei gammal tante som heter Monika, og når a går på torget, vi hermer etter a >> ein bekanntes Kinderlied ).Bei Männern heisst es `n , eine Kurzform von " han ". ( `n Børmann på by`n >> aus einem Lied von Alf Prøysen)

In Nordnorwegen spricht man von " han Ola " og " ho Kari " , in Bergen ( Bergen gehört nicht zu Norwegen ), stellt man den weiblichen Namen in die bestimmte Form des Utrums: Karien.

Redet man nicht in Süddeutschland von " der Anna " und dem " Anton " ?

Lemmi

16.03.09 23:35
habt vielen, vielen Dank für die ausführliche Erklärung; det var en fornøyelse :)

16.03.09 23:46, Geissler de
Ja, in der gesprochenen Sprache klingt es hier in Süddeutschland gestelzt, wenn man den Namen ohne Artikel sagt.
In Norditalien macht man das übrigens auch: "il Giovanni" und "la Francesca".

17.03.09 07:48
Wie wirkt dann auf einen Süddeutschen das " Hamburger Du ", das angeblich noch in der Redaktion der " Zeit " gepflegt wird : " Theo, würden Sie das bitte näher ausführen ? "

Lemmi

17.03.09 08:24, hvalross de
Ich bin zwar nur aus Mitteldeutschland, aber ich finde "Theo, ... Sie ..." geht gar nicht.
Ist das wirkliche eine spezielle Form des Hamburger Dialekts? Ich dachte immer das wäre nur eine "Unart" einzelner merkwürdiger Zeitgenossen...

17.03.09 08:57
Hvalross, würden Sie das bitter näher erläutern ... = : )

Lemmi

17.03.09 09:01, hvalross de
Du! :-)
Ich bin nur der Meinung, dass es doch möglich sein sollte sich zwischen "Du" und "Sie" zu entscheiden und diese komplizierten Mix-Konstellationen zu vermeiden.

17.03.09 09:59, Geissler de
Ich finde das "Hamburger Du" gar nicht so komisch; es kommt sehr auf das Umfeld an. Als ic als Student in einer Bibliothek arbeitet, wurden die studentischen Hilfskräfte auch so angesprochen. Aich im Friseursalon ist die Kombination Vorname+Sie ("Yvonne, hätten Sie Zeit für Strähnchen?") nichts ungewöhnliches, wenn ich das auch nicht unter "Hamburger Du" subsummieren würde.
Im Kindergarten meiner Tochter ist die umgekehrte Kombination gängig ("Frau Schmiihidt, kannst du mir beim Zubinden helfen?").
Und dann gibt es ja noch die unter Männern üblichen Kombinationen Nachname ohne Anrede, gepaart mit Du oder Sie: "Mayer, hast Du / haben Sie das gesehen?"
Sprache ist halt vielfältig ... :-)

17.03.09 13:36
Bei uns am Gymnasium (Schweiz) war Sie+Vorname die übliche Anrede der Lehrer an die Schüler (Schülerinnen inklusive). Auch in der Arbeitswelt scheint es hier nicht unüblich, zum Beispiel von Lehrmeistern an die Azubis. In der Regel besteht da ein Hierarchieunterschied; in Geisslers Friseursalon wird das wohl auch die Chefin gesagt haben.
A2

17.03.09 13:56, Geissler de
... oder die Kundin, ja.
Das Gymnasium, ja, das hatte ich vergessen. Bis 9. Klasse Du, ab 10. Sie.

17.03.09 14:53, peter620 de
Achja, das erinnert mich an meine Studienzeit. Ich habe mich nie daran gewöhnen können, dass in Rheinland Pfalz und teilweise in angrenzenden Bundesländern Frauen mit "Es" tituliert werden, also: 's Karin.

Jaja, mit der Trennung Du/Sie kann man sich das Leben schon schwer machen, besonders diese gekünstelte Anwendung ab der 12. Klasse hat diesen Unsinn besonders verdeutlicht - darum haben wir das auch alle abgelehnt. Ich kann mich noch an den Satz meines Deutschlehrers erinnern: "Du, es tut mir leid, aber ab heute muss ich SIE zu DIR sagen, ausser DU willst das... äh... SIE wollen das nicht" %-|