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Ich habe in einigen Tagen gedacht ob wir hier
http://www.heinzelnisse.info/forum/permalink/15899
haben die richtige Antwort zu dieser Frage gegeben: "Gibt es ein norwegisches Pendant zu 'sich weit aus dem Fenster lehnen'? Im sprichwörtlichen Sinne von 'die Klappe zu weit aufreißen'?"

Wir haben Antworten in verschiedene Richtungen gegeben, und ich frage mich ob der Grund dafür war dass die Frage nicht eindeutig war.

Mit anderem Wörter - und diese ist ein Frage zu unseren deutschsprachligen Freunde hier im Forum: Gibt es nicht wichtige Unterschiede zwischen 'sich weit aus dem Fenster lehnen' und 'die Klappe zu weit aufreißen'?

Ich denke das "sich weit aus dem Fenster lehnen" indikiert dass man sich in einer risikabelen Position platziert, sodass es ganz möglich sehr schnell scheise gehen kan, und dann besonders mit ganz katastrophalem Resultat. (In diesem Fall sollte "å begi seg ut på tynn is"/"å være på tynn is" - das wir nicht haben genannt - das beste norwegishes Pendant sein.)

"Die Klappe zu weit aufreißen" glaube ich, dagegen indikiert eine Situation wo wir schon konstatieren können, dass eine Ambition nicht verfüllt werden - aber nicht notwendig mit grossem Risiko involviert. Hier gibt es ja einer möglichen weiteren Dimension (auch um de beste norwegische Pendent zu finden): Hat man vorher die (nicht erfolgreiche) Ambition zu anderem bekunden? Und weiter: Ist einige bekundigen mehr wie neutrale/objektive Information geben, oder ist man prahlend? ("Å ta munnen for full" ist übrigens hier einen anderen möglichen Ausdruck den wir haben auch nicht genannt.)

Was ist hier die exakte Deutung dieser zwei Redewendungen?

15.12.09 08:51
also, ich versuche es mal:
sich zu weit aus dem Fenster lehnen bedeutet - sich (zu) weit vorwagen; ein Risiko eingehen; eine riskante Aussage treffen; etwas versprechen, das man eventuell gar nicht halten kann

Die Klappe zu weit aufreißen bedeutet: sich wichtig machen; angeben; viel reden; prahlen

15.12.09 12:14
Du hast recht, diese beiden Redewendungen entsprechen sich nicht und bedeuten jede für sich etwas anderes, wie du richtig definiert hast. Deshalb die Missverständnisse.

15.12.09 13:04, Geissler de
Es gibt durchaus Bedeutungsüberschneidungen zwischen den beiden Ausdrücken. Denn "die Klappe zu weit aufreißen" kann ja auch bedeuten, daß man etwas verspricht, was man nicht halten kann: "Der Sepp hat gesagt, daß er fünf Karten fürs Bayern-Spiel besorgt. Aber er hat wieder einmal das Maul zu weit aufgerissen und bloß zwei gekriegt."

Ich teile auch überhaupt nicht Espens Ansicht, daß "sich zu weit aus dem Fenster lehnen" einen katastrophalen Ausgang haben muß. Den obigen Beispielsatz mit den Fußballkarten könnte man auch mit diesem Ausdruck bilden, ohne daß sich eine nennenswerte Bedeutungsveränderung ergäbe.

Ich habe die Anfrage auch nicht so verstanden, daß der Frager die beiden Redewendungen als völlig synonym auffaßt -- es ging ihm meinem Verständnis nach nur um die Klarstellung, daß die übertragene Bedeutung gemeint war und nicht etwa die konkrete ("Ich habmich zu weit aus dem Fenster gelehnt und bin ins Rosenbeet gefallen").

15.12.09 13:14
Nach meinem Gefühl schwingt in "sich zu weit aus dem Fenster lehnen" ein katastrophales Element mit, wie Espen es erläutert (08:51). Den Ausdruck "sich weit aus dem Fenster lehnen" ohne das "zu" kenne ich eigentlich nicht.

15.12.09 13:38, Geissler de
Ich schon. "Bis nächste Woche soll das Projekt abgeschlossen sein? Na, da hat sich der Chef ganz schön weit aus dem Fenster gelehnt." (Ersatzweise: "Na, da hat der Chef das Maul ganz schön weit aufgerissen.")