Direkt zum Seiteninhalt springen

Hallo,

worin liegen die Vorteile bzw. Nachteil von den beiden Schriftsprachen in Norwegen?
Was meint ihr?
Nachteile findet man eventuell schneller, was würdet ihr als Vorteile bezeichnen?

Liebe Grüße
Anne

05.02.10 19:30
Vorteil ist wohl, dass die norweger endlich ihre eigen schriftsprache bekommen.
Das jetzige Bøkmål ist eine verænderte form vom dænischen. Das nynorsk kommt vielen dialekten (vestlandet og sørlandet) næher als das Bøkmål.

Es wird gemeint, dass das nynorsk als mehr urbaner und kulturelle elitesprache gilt. Es gibt wenige, die das nynorsk sprechen. Selbst Kinderbucher oder erwachsene bucher die auf nynorsk heraus gegeben werden, sind eher eine dialektform des nynorsk.
So allerdings zu reden tun die wenigsten. Wir als Lehrer sollen das nynorsk in unseren Unttericht mit einbeziehen, und somit die Kinder immer mehr an das Nynorsk herran bringen.

Neben den vielen Nachteilen sind die Vorteile bzw sinn des nynorsk:
Sprache, litteratur, kultur, geschichte, und identitet

entschuldigt mein deutsch, ich weis ich hab verstændlich geschrieben aber sicherlich zwei drei fehler, hehe.
norwegisch lehrer an einer grundschule hoch im norden, hilsen Per fra Finnmark

05.02.10 19:50
ja, gut verständlich - auch grammatisch gut (Nynorsk, Bokmål besser ohne Artikel), aber du solltest dich als Lehrer an die Großschreibung halten.

Was ich nicht verstehe, ist die Aussage, dass das nynorsk als mehr urbaner und kulturelle elitesprache gilt.
Meinst du Bokmål?

05.02.10 19:53
Se Agnar Mykle: " Rubicon ", kapittelet " Sagaen om draugene " , s. 160 i min utgave.

Lemmi

05.02.10 20:25
Ich denke auch, dass Bokmaal mit Urban und Elite gemeint ist.
Bei der Fragestellung von oben frage ich mich auch, ob es im Alltag Vorteile gibt, wenn man zwei Schriftsprachen hat. Was denkt Ihr?

Karla

05.02.10 22:36
Lemmi, ist das eine Antwort auf Annes Frage oder ein Kommentar zu 19.50?

05.02.10 23:02
Weder noch, das ist mein Kommentar zur Ausgangsfrage.

Lemmi

05.02.10 23:04
Manchmal wünsche ich mir eine Korrekturfunktion im Forum. Ich meine natürlich : Ja, das war mein Kommentar zur Ausgangsfrage. Tut mir leid, Anne, ich habe versucht, zwei Dinge gleichzeitig zu tun, das geht nicht immer gut.

Lemmi

06.02.10 12:41
Viele Dank für eure Antworten. Karlas Frage interessiert mich auch. Hat da jemand vielleichet eine Idee?

Anne

06.02.10 18:04
Ich sehe mit freunde wie hier wieder diskutiert wird. Wenn ich mir erlauben darf Lemmi zu kommentieren. Es freut mich wirklich das du die "Sagaen om draugene " angibst. Genau das ist es was das Nynorsk nicht ist. Eben nicht die alte Bauern sprache (Bondespråk) von Vestlandet, sondern eher eine neue Form der norwegischen Sprache.
Das nynorsk wird stark kritisiert und daher denken Kinder und manche Erwachsene in Norwegen, dass das Nynorsk nur fur Sagen und Gedichte da ist. Nynorsk klingt ja auch kræftiger aber hat eben auch einen gang anderen Aspekt, næmlich den, dass damit auch eine Identitet in die Sprache kommt.
Und ich denke, das Per meinte, dass das Nynorsk eben auch im modernen sprachgebrauch benutzt wird. "urban eben"

Robin fra Arendal

06.02.10 21:18
Meine Erwähnung von Mykle war, wie schon gesagt, mein Kommentar zur Ausgangsfrage, nicht zu Pers Kommentar.

Lemmi

07.02.10 06:55, Mestermann no
Die Diskussion zu nynorsk/bokmål ist manchmal schwierig zu führen, weil so leicht persönliche Präferenzen und
Gefühle sich da reinmischen. Sprache ist nun halt eine persönliche Sache, ein Medium mit dem die ganze eigene
Identität intim verbunden ist. Somit kann ich Robin fra Arendals Reaktion sehr gut nachvollziehen, wenn er
empfindet, dass es falsch ist, nynorsk mit "Sagen und Gedichten" und allerlei altmodischem oder
nationalromantischem Gedankengut zu identifizieren. Robin ist ja mit Sicherheit ein moderner Mensch, ein urbaner
Mensch. Schriftsteller wie Jon Fosse, Kjartan Fløgstad, Olaug Nilssen oder Are Kalvø sind die besten Beweise dafür,
dass nynorsk als eine moderne und aktuelle Schriftsprache noch eine ganz kräftige und bedeutende Anwesenheit in
unserer Literatur hat.

Dann wird bestimmt auch Robin und Per verstehen, wenn ich nun ein bisschen auf ihre Aussage reagiere, dass
mit "nynorsk eine Identität in die Sprache kommt", oder dass "die Norweger endlich ihre eigene Schriftsprache
bekommen". Oder dass nynorsk "kräftiger" ist. Als bokmålsbruker empfinde ich das nicht so, weil ich schon
genügend Identität und Kraft bei den Dichtern auf bokmål/riksmål finde; wie bei Wergeland, Bjørnson, Ibsen
Kielland, Hamsun, Undset, Øverland, Bjørneboe, Borgen, Christensen, Ambjørnsen uva. (darunter also drei
Nobelpreisträger + Ibsen!).

Ich empfinde sie durchaus nicht als "mit weniger (norwegischen?) Identität" ausgerüstet, weil sie riksmål/bokmål
schrieben oder schreiben. Riksmål/bokmål ist auch Norwegisch! Sowohl Peer Gynt als die Volksmärchen sind auf
riksmål verfasst. Die Mehrheit der norwegischen Schriftsteller schrieben und schreiben immer noch auf
bokmål/riksmål. Und dass ich aus Oslo komme, macht mich und meine Sprache nicht weniger norwegisch oder
mehr identitätslos...

In dieser kleinen Demonstration der latenten gegensätzlichen Empfindungen und Vorurteilen, sieht man vielleicht
warum diese Diskussion schwierig ist; und ich möchte dazueilend sagen, dass ich nynorsk mag und immer gemocht
habe.

Karlas Frage ist gut, aber nicht leicht zu beantworten. Ein Hauptproblem für nynorsk war immer, dass es von keiner
grossen, allgemein verbreiteten Zeitung Hauptsprache war. Allerdings gab und gibt es Regeln dafür, wieviele
Prozente von der Sprache im NRK nynorsk sein sollen, aber dennoch hat nynorsk immer Probleme damit gehabt, sich
reichsweit durchzusetzen. Trotz seiner vielen staatlich garantierten Prärogativen wird nynorsk derzeit maximal von
10-15% der Bevölkerung geschrieben, und die Zahl nimmt allmählich ab. Man versteht meist problemlos die andere
Sprache, und daher mag es von aussen gesehen merkwürdig vorkommen, dass wir uns so einen Luxus gönnen, zwei
offizielle Sprachen zu behalten. Das hat aber nicht nur geschichtlichen Gründen, sondern hängt auch damit
zusammen, dass nynorsk also immer noch eine sehr vitale Sprache ist. Ob jeder öffentlicher Bogen in beiden
Sprachen vorhanden sein muss, ist, meines Erachtens, weniger wichtig, als nynorsk als lebendige, moderne
Schriftsprache, akademische Sprache und Literatursprache zu behalten.

Bei solchen Auseinandersetzungen zur norwegischen Sprachsituation werde ich immer an Ragnvald Blix' Zeichnung
aus den 20ern erinnert, die "Die Revolution in Norwegen" ("Revolusjonen i Norge") heisst. Auf der Zeichnung sieht
man, wie sich Leute in einer barrikadierten Strasse schlagen. Offenbar ist da Die Revolution schon los. Ein
Zureisender fragt einem der Kämpfenden: "Hvordan går det med revolusjonen i Norge?" ("Wie geht es mit der
Revolution in Norwegen?")

Die Antwort lautet: "Foreløpig slåss vi om hvordan vi skal stave den!" ("Vorläufig schlagen wir uns darüber, wie wir
sie buchstabieren sollen!")

:-)

07.02.10 21:22
Das war schøn dargestellt.
Liker svaret ditt. Er faktisk enig med deg.
hilsen

08.02.10 13:21
Etwas viel Blaba finde ich

08.02.10 23:37
Skriv noe bedre selv, da.

09.02.10 00:47
Ooops, majestetsfornærmelse!