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Hallo,

im Zusammenhang mit der Hochzeit in Schweden steht heute in der Aftenposten, dass sich eine Rede wie "lagmaskin" anhören wird. Was ist damit gemeint?

Beste Grüße und vielen Dank für Eure Hilfe!
Anna

19.06.10 01:29, Geissler de
Ach Gott, die Norweger können es nicht verwinden, daß die Nationalmannschaft des geliebten
England regelmäßig versagt und Deutschland stattdessen erfolgreich ist. Deshalb hat sich
das Klischee vom deutschen "maskinfotball" eingebürgert, der laut norwegischer Auffassung
effektiv, diszipliniert, langweilig, seelenlos sein soll. Passende Metaphern sind
"Panzer", "Eisenmann" u. ä.
Der Verfasser ist wohl der Meinung, Victorias Bräutigam sein nur in der Lage, eine
ebensolche Rede abzuliefern, wohingegen Ari Behns Rede als "brasiliansk salsa[!]fotball"
charakterisiert wird.

(Als Rhetoriker würde ich mich schämen, derartige abgelatschte und billige Metaphern zu
benutzen.)

19.06.10 03:13, Mestermann no
Wie John Cleeses unsterbliche Phrase in "Fawlty Towers" lautet: "Don't mention the war!"

Egal ob die deutsche Mannschaft elegant und equlibristisch spielt - "lagmaskin" und "fotballmaskineriet" und
"maskinfotball" und "autobahnforsvar" und "jerndisiplin" uva. sind die norwegischen Adjektive. Man hütet sich
natürlich davor, "Militärfussball" oder "Schlachtstrategie" oder gar "SS-Fussball" zu schreiben, aber jedenfalls
unbewusst klingen wohl diese mit Deutschland verbundenen, historischen Assoziationen mit.

Das trifft übrigens nicht nur für Fussball zu, äusserst verbreitet ist die Auffassung, die Deutschen seien im
Allgemeinen übergehorsam, unspontan, autoritätengläubig usw. Als der Komiker Robert Stoltenberg in seiner sonst
so genialen Fernsehkomödie "Borettslaget" einen deutschen Gestalt einführte, "Dieter", vermochte er ihn nur mit
Lederhosen, Hosenträgern, schmaler, braunen Krawatte und Hitler-Frisur darzustellen, noch schlimmer in seiner
Regeltreue als der sonst so grausame, norwegische Wachtmeister.

Überaus überrascht werden meine Landesleute wenn man z.B. erzählt, dass die Räuchergesetze, die sogar in Irland
und Italien problemfrei von den Bevölkerungen akzeptiert worden sind, nirgendwo in Europa auf so grosse
Schwierigkeiten, ziwiles Ungehorsam und generelle Sabotage gestossen sind, wie eben im "gehorsamen"
Deutschland.

Es bildet sich vielleicht allmählich neue Vorstellungen; z.B. ist Berlin derzeit überaus chik und populär als Reise- und
Wohnziel in totangebenden Kreisen - vielleicht führt das mit der Zeit zu einem mehr nuancierten und
wirklichkeitstreuen Bild vom heutigen Deutschland.

Aber jetzt bin ich zu weit vom sprachlichen Thema gekommen, womit ich sonst immer so streng und regeltreu bin:
Also, Mestermann, jetzt schluss damit!

20.06.10 10:29
Nein, das war ganz richtig, Mestermann, dass das hier auch mal angesprochen wird. Damit man als Deutscher versteht, auf was man sich einlässt, wenn man in einen anderen "Kulturkreis" überwechselt.