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Ich habe eben eine Lesung von dem Schriftsteller Norbet Gstreins aus seinem Roman ”Die ganze Wahrheit” gehört. In einem Satz hiess es: ” Die Amerikaner haben selber Schuld”. Könnte mir jemand erklären, warum da ”selber” steht, und nicht ”selbst”. Liegt es daran, dass die Amerikaner (Subjekt) Mehrzahl sind? Als Norweger würde ich da "selbst" benutzen.

26.06.10 23:06, Daggi de
http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/0,1518,314542,00.html
Ob du das als Nichtdeutscher verstehen kannst, weiss ich allerdings nicht, der Hauptsatz ist allerdings: "Die Wörter "selber" und "selbst" sind gleichbedeutend". ;-)

27.06.10 01:20
"Selber" ist umgangssprachlich. Wenn du sicher gehen willst, benutzt du immmer "selbst".

27.06.10 09:34
Danke. Und wie erklärt man etymologisch die zwei Formen?

27.06.10 12:07
Aus dem Netz gefischt:

Duden:

sel|ber <indekl. Demonstrativpron.> [mhd. selber, erstarrter stark gebeugter Nom. Sg. von →selb…] (ugs.):→ selbst ...

selbst <Partikel> [(spät)mhd. selb(e)s, erstarrter Gen. Sg. Mask. von →selb…]

Grimm (Auszug):

SELB: 1) selb ist ein allen germanischen sprachen gemeinsames wort, das sich über das germanische hinaus nicht verfolgen läszt. wenigstens ist eine einigermaszen einleuchtende etymologie noch nicht gefunden
[....]indem an selber und selb(e)s das so häufige unorganische t angehängt wurde, entstanden s e l b e r t und die heutige normalform se l b s t ,

SELBST und SELBEST: a) die form selb(e)s findet sich früher und in der ältern sprache sehr gewöhnlich; das später auftretende selbst ist also aus ihr entstanden und nicht umgekehrt;

Selber ist wohl nicht nur die ältere Form, sondern eben auch durchaus nicht umgangssprachlich!

27.06.10 12:11, Geissler de
Die Grundform ist eigentlich selb (vgl. norw. selv, engl self). Es wurde wie ein
gewöhnliches Adjektiv gebeugt (etwa "gelb"), also mit schwachen und starken Formen. Die
schwachen Formen sind noch in Zusammensetzungen sichtbar, etwa "derselbe" (vgl. "der
Gelbe"). Einige Kasusformen der starken Deklination sind erstarrt, v. a. Nominativ Singular
Maskulinum ("selber", vgl. "ein gelber Sack") und Nom. Sg. Neutr. "selb(e)s" (ein gelbes
Haus), das noch durch ein t zu "selbst" ergänzt wurde (ähnl. wie z. B. dialektal "anderst").
In manchen Dialekten finden sich noch andere erstarrte Kasusformen, z. B. im Bairischen
"säim" (selbem; Dativ).

27.06.10 12:16, Geissler de
Haben wieder einmal zwei gleichzeitig geantwortet. :)
Ich denke, daß bei der Qualifizierung "selbst = Schriftsprache, selber = Umgangssprache" der
nicht seltene Reflex auftritt, das eher Norddeutsche automatisch auf einer höheren Stilebene
einzuordnen.

27.06.10 12:18, Geissler de
Norbert Gstrein ist, wie ich WP entnehme, Tiroler, und hat es also besser, denn die
Österreicher scheren sich nicht darum, was Norddeutsche als "richtiges" Schriftdeutsch
auffassen. Also schreibt er munter "selber".

27.06.10 12:40
Als Norddeutscher reagiere ich überhaupt nicht darauf, ob jemand selbst oder selber sagt und sehe auch "selbst" nicht als typisch norddeutsch an. Ein Spruch aus meiner Kinderzeit lautete zB. selber, selber, da lachen ja die Kälber. (Daraus ersieht man eher die Aussprache von ä als e.)

Hannoveraner.

27.06.10 21:33, Geissler de
Ich habe mich etwas unklar ausgedrückt. Mit "das eher Norddeutsche" meine ich die
Unterscheidung "selbst = Schriftsprache, selber = Umgangssprache". Der Kinderreim ist ja ein
Paradeexempel von Umgangssprache.

Aber wie würdest Du in einem Geschichtsbuch den Satz "Konrad Adenauer wurde nur deshalb zum
Bundeskanzler gewählt, weil er selber für sich stimmte" empfinden?

27.06.10 22:16
Schwer zu sagen, weil das Lesen dieses Satzes im Zusammenhang mit dieser Diskussion nicht mehr unvoreingenommen/neutral erfolgt. Ganz vielleicht ein leichtes Stutzen, aber wahrscheinlich einfach weiterlesen.

27.06.10 22:17
Hannoveraner

27.06.10 22:29
Die Hauptsache ist, dass "selber" und "selbst" gleichbedeutend sind. Selbst Luther hat die beiden Formen schriftlich verwendet! Persönlich schreibe ich gern "selbst" auf Grund von der norwegischen Form "selv".

Danke!