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Das ist ein Ausschnitt aus eurem Woerterbuch:
Manche Deutsche versuchen "Hoch-Norwegisch" (also nicht einen Dialekt) zu lernen, vergessen dabei aber, dass es im Norwegischen zwar mindestens zwei offizielle Schriftsprachen gibt, aber keine offizielle Sprechsprache, wie das deutsche Hochdeutsch. Hier sind Dialekte das einzig "Richtige" - was sich dann wiederum auch auf die Schriftsprache auswirkt.

also mal ernsthaft, statt "wie bitte" bringe ich meinem Kind nun einfach nur "Hää ?" bei, - OK, auf troendersk muss man das ja mit "K" schreiben und auch sagen "kaaa" , mir wurde schon in juengeren Jahren im Deutschunterrichtverboten wurde mit "Hää watt willste" zu antworten,

Mein Kind wird NIEMALS auch nur einen DIALEKT LERNEN sei es in Deutschland oder in Norwegen ! nuuu jeh isch abba mal rauhs uhnd freuhhh mischhh wahh - Boohhhh isss datt eine jeile Landschaft hier in so ein jeiles Land wie Noorwehgen, isch find datt suupppper
und sooooo vielll Kohle Krigschte auch noch fuer die Maloche, Saujeil- Isch will ja unbedingt Mahl mitt raus aufn Trooowler auf Walfang, datt iss bestimmt auch suuupa !

Dialekte sind Toll

moin, moin

06.10.10 22:59, Cillit de
und was soll uns das sagen?
du und dein kind werden die dialekte früher oder später eh annehmen. ob gewollt oder nicht. das ist so. spätestens die dritte generation kommt garantiert nicht drumrum.

06.10.10 23:44, Geissler de
Was soll denn dieses, mit Verlaub, saublöde Posting? (Und ich meine nicht das von Cillit.)

07.10.10 07:48
Ich denke, da hat sich jemand mal den Frust von der Seele geschrieben. Ehrlich gesagt, kann ich es gut nachempfinden; ich finde Dialekte, wenn sie als jeweils einzige Sprache dienen -ohne eine gemeinsame Hochsprache - auch 'voll daneben' (Ausnahme: Karneval selbstverständlich). Ich war auch komplett gefrustet als ich mit meinem Berlitz-Norwegisch in der Trønderpampa gelandet bin (und dieses Hææææ als Antwort auf mein zu Anfang mit Liebe und Sorgfalt formuliertes Schriftnorwegisch? - ich habe es gehasst!). Umgekehrt geht es Norwegern in Bayern oder bei den Schwaben sicher so ähnlich, mit der Ausnahme, dass man dort immerhin, wenn auch eingefärbt, Hochdeutsch kann.
Dialekte sind - nicht zuletzt - auch extrem exkludierend, eine Erfahrung, die man gerade als Neuzugezogener, durchaus nicht gebrauchen kann. In D'land habe ich in Gesprächen mit Ausländern auch nicht mein Rheinisch 'raushängen lassen; ein Gebot der Höflichkeit, finde ich.
Mvh RS.de

07.10.10 08:33, Geissler de
Da muß ich klipp und klar sagen: Wenn es einem nicht paßt, wie es in Norwegen läuft, soll er
verdammt noch mal daheim bleiben. Es zwingt ihn ja keiner.
Dialekte sind ein Ausdruck kultureller Vielfalt. Auf allen anderen Gebieten wird diese
gefördert, nur bei der Sprache soll plötzlich alles links-zwo-drei-vier im Gleichschritt
marschieren?

07.10.10 10:50
Das hat mit passen oder nicht eigentlich Nichts zu tun, mehr ist es so eine Art Fremdeln (oder sagen wir Kulturschock?) und nach einer Weile hæææææt man dann eben zurück. Und sicher sind Dialekt Ausdruck einer kult. Vielfalt (heilig, heilig), aber was spricht gegen eine zusätzliche gemeinsame Sprache, die auch für Ausländer zu Anfang 'erschwinglich' ist?
Mvh RS.de

07.10.10 11:02
Naja, wenn es die nun aber nicht gibt, wieso sollte sie dann fuer Auslænder erfunden werden? In Deutschland vereinfachen wir ja auch nicht unsere Grammatik, damit Deutsch leichter zu lernen ist.
Und im Uebrigen sind hier alle Norweger bereit, fuer mich møglichst deutlich und "dialektarm" zu sprechen, damit ich auch was verstehe. Und wenn ich alles mische und manches wie gesprochenes bokmål und anderes wie den Dialekt von hier auspreche, verstehen mich auch alle. Also seh ich kein Problem ohne Hochnorwegisch.

07.10.10 11:08
Von Erfinden kann keine Rede sein; es gibt sie ja schon wenn auch nur in Schriftform ;-), oder man könnte es so machen, wie es die Italiener wohl gemacht habe - man einigt sich einfach auf einen Dialekt und nimmt ihn als gemeinsame Sprache.... Aber meine Güte, wat wellste maache? Et es wie et es!
Mvh RS.de

07.10.10 11:19
Also seh ich kein Problem ohne Hochnorwegisch.

Aber die Norweger sehen das nicht alle so. Manche Dialekte sind für viele einfach unverständlich. Und ohne eine Hochsprache wäre im deutschsprachigen Raum, mit noch extremeren Dialektunterschieden, eine Verständigung kaum möglich.

07.10.10 12:16
Norwegisch bokmål eller itte (kein Schreibfeler, sprich man so statt ikke, es gibt auch
den
anderen Form IKKJE uten at dette er nynorsk. Deine Übersetzung von WIE BITTE in hää oder
KA på tröndersk ist regelrecht falsch meines erachtens. UND JETZT FÜR EUCH die Norwegisch
lernen will. IN SKANDINAWISCHEN GIBT ES GAR KEIN EINHEITLICHES WORT FÜR BITTE. Wenn das
Kind eine bitte oder eine Frage nicht verstanden hat kan es in höflicher Form "HVA" sagen
oder
besser "Hva sa du ?"
I Bergen, min födeby svarer du på et spörsmål du ikke kan svare på "Jeg vet
ikke"(Finbergensk) eller du sier "Eg vet ikkje" dine tjommier svarer vi med "VETSJEEG",men
det skal höres og finpusses. Du får bätterdö ha det så bra i Trondhjem da, og lykke til
med norsken, men du får venne deg til at ditt norsk får et inslett av tröndersk, og det er
ikke noen skam, tvertimot. Jeg vet ikke hvor du kommer fra men husk at August der Starke
war Sachse, og at Bismarck har fått en sild oppkalt etter seg. Vi har en campingnabo som
har bodd, nettop i Trondhjem, noen år og man kan tydelig höre på ham hvor han har lärt sin
norsk.

De allerbeste hilsner far Hannes i Stralsund

07.10.10 13:56, Drillo no
Ich muss Geissler absolut Recht geben. Wer mit den zahlreichen Dialekten nicht leben will, bitte.
Hier in Norwegen ist es nun mal so, dass die Dialekte eine grosse Bedeutung für die Norweger haben. Als ich es das erste Mal auf der Arbeit mit einer Nord-Norwegerin zu tun hatte, verstand ich kein Wort und war total verzweifelt. Gleichzeitig stieg bei mir die Motivation sie nach und nach besser verstehen zu können. Am Ende war eine Konversation weitesgehend möglich. Man entwickelt irgendwann ein besseres Ohr dafür. Es ist doch sehr interessant, wenn man irgendwann in der Lage ist einen einzelnen Norweger aufgrund seines Dialektes der richtigen Herkunft zuzuordnen.Åssen gå´re?

07.10.10 14:30
Und dass Schweden Schwedisch und Daenen daenisch sprechen, anstatt dass alle einfach "Hochskandinavisch" sprechen, stoert den Fragesteller nicht? Und die Unterschiede zwischen Niederlaendisch, HOchdeutsch, Schweizerdeutsch und oesterreichem Dialekt?
Junge, Junge...

Mvh (der auch seit kurzem in Trondheim lebt)

07.10.10 14:37
(An Drillo, 13:56) Nein, das ist überhaupt nicht interessant. Der Dialekt soll ja niemandem genommen werden, aber wenn innerhalb eines Landes nicht mehr Rücksicht aufeinander genommen wird als dass es zu "verstand ich kein Wort und war total verzweifelt" führt, ist das schon schwach. Sprache dient der Verständigung. Da ist es sinnvoll, sich innerhalb eines Landes auf eine Mitte zu einigen, nicht nur in der Schrift.

07.10.10 16:26, Geissler de
Ich habe übrigens noch nie einen Norweger getroffen, der den Mangel an einem mündlichen
Standardnorwegisch beklagt hätte. Eher wird geklagt, es gäbe zu viele Standards, nämlich
für die Schriftsprache.

In der Praxis funktioniert doch alles einwandfrei. Meine Schwiegermutter ist aus Bergen,
Mein Schwiegervater aus Nord-Tröndelag, unsere norw. Freunde hier in München sind aus dem
Östland, aus Stavanger und Sunnmöre, mein Schwipp-Schwager ist Nordmöring, an der Uni in
Norwegen habe ich Vorlesungen im Nordlands- und im Hardanger-Dialekt gehört, und ich habe
dabei nie nennenswerte Probleme gehabt.

Aber hier geht's noch um was anderes: Die Vorstellung, daß alle Bewohner eines Landes ein
und dieselbe Sprache sprechen müssen, ist noch gar nicht so alt, sondern kam mit der
unseligen Idee des Nationalstaats erst in der Neuzeit auf. Seitdem heißt es "ein Volk, ein
Reich, eine Sprache". Dabei gibt es sogar in Europa, wo der Nationalstaat erst erfunden
wurde, Beispiele, die zeigen, daß es auch anders funktioniert. Ganz zu schweigen von
anderen Teilen der Welt. Es ist also gar nicht schlimm, wenn ich nicht jeden Hiasl in
meinem Land verstehe.

07.10.10 16:27, Jørg li
Offensichtlich kommen die Norweger sprachlich so gut zurecht, dass sie keinen Kommunolekt brauchen — ansonsten
hätten sie sich gewiss auf einen geeinigt. Es steht Nichtnorwegern schlecht an, sie deswegen zu kritisieren.
Übrigens: Einen „österreichischen Dialekt“ gibt es nicht. Allein in Tirol unterscheiden sich Dialekte so stark, dass es,
wenn „astrein“ gesprochen, zu Verständigungsproblemen kommt. Doch — den vielen deutschen Touristen sei’s
gedankt — haben die meisten Tiroler gelernt, diese Barrieren durch Assimilationen zu überwinden.

07.10.10 19:44
Dass ein Norweger eine mündliche Standardaussprache fordert, "sitter langt inne", so politisch unkorrekt wie das ist. Es ist kein Beweis dafür, das eine solche Standardsaussprache nicht wünschenswert wäre. Man kann sich sicher in jeden im Bekannten- und Familienkreis gesprochenen Dialekt hinein hören und ihn nach einiger Zeit verstehen. Aber Drillo hat ja beschrieben, welchen unnötigen Probleme auftreten können, und ebenso Jørg, der auf starke Dialektunterschiede in Tirol hinweist, wo die Bewohner Verständlichkeit durch Annäherung an eine gemeinsame Norm erreichen.

Geissler, es geht hier nicht um die von dir konstruierte Vorstellung, daß alle Bewohner eines Landes ein und dieselbe Sprache sprechen müssen. Es geht darum, dass alle Bewohner bei Bedarf dieselbe Sprache sprechen können. Im Übrigen kannst du dir Platituden wie "ein Volk, ein Reich, eine Sprache" sparen.

07.10.10 20:27, Jørg li
Es möge mir erlaubt sein, ergänzend in diesem Zusammenhang ein Lob auf Martin Luther zu äußern, der mit seiner
Bibelübersetzung Entscheidendes zu einer im ganzen deutschen Sprachraum verständlichen Deutschnorm beigetragen
und damit die Mühseligkeit der babylonischen Sprachverwirrung wenigstens in diesem Raum etwas gemildert hat.

07.10.10 21:17
Ich finde die Abneigung gegen ein " alment dannet talemål " bedauerlich und halte es für eine Fehlentscheidung des NRK, den Nachrichtensprechern nun auch noch die letzten normativen Zügel zu nehmen.

Lemmi

07.10.10 21:37, Geissler de
"Ein Volk, ein Reich, eine Sprache" ist keineswegs eine Platitüde, sondern ein Kerngedanke
im Konzept des Nationalstaats. Erst mit der Idee des Nationalstaats seit dem 18. Jh. wird
ethnische, kulturelle und nicht zuletzt sprachliche Homogenität als Voraussetzung eines
Staatswesens begriffen. Es ist kein Zufall, daß im Zuge des "nation building" im 19.
Jahrhundert auch das Konzept einer norwegischen Nationalsprache so bedeutend wird.

Und ja, die Idee, "daß alle Bewohner eines Landes ein und dieselbe Sprache sprechen
müssen" ist ja nicht so absurd, wie das "konstruiert" insinuiert. Man braucht nur bis in
die Türkei schauen, wo bis vor kurzem noch das Kurdische im öffentlichen Raum nicht nur
nicht erlaubt war, sondern dessen Existenz geleugnet wurde ("Bergtürken"). Bis in die
jüngste Zeit ging mit dem Nationgedanken Assimilisierungsdruck einher. Frag mal Samen, die
noch nach dem Krieg in der Schule nur Norwegisch sprechen durften.

07.10.10 21:43, Geissler de
Lemmi, in der Praxis sieht es leider so aus, daß mit der Stärkung einer allgemeinen
Umgangssprache gleichzeitig die Schwächung und Marginalisierung der Dialekte einhergeht. Man
kann nicht beides im gleichen Maße haben. Und ich spreche aus Erfahrung.
Ich bin als kompetenter Dialektsprecher in meinem sozialen Umfeld (urban, akademisch,
geisteswissenschaftlich) der absolute Exot. Die Bedeutung und Stellung der Dialekte in
Norwegen kann ich von meiner süddeutschen Warte aus nur mit Neid betrachten. Hier wird
Dialekt automatisch mit primitiv, ungebildet, ländlich assoziiert. Und wenn du erst ein
"alment dannet talemål" hast, ist automatisch alles andere "udannet".

07.10.10 23:29, Geissler de
Ach, noch was: Nein, ich erkenne nicht mal die Notwendigkeit an, daß alle Bewohner eines
Landes dieselbe Sprache sprechen können. Es geht auch ohne, siehe Schweiz.

08.10.10 00:43, Jørg li
Es geht in der Schweiz im Zusammenhang mit ihrer besonderen historischen Entwicklung. Deshalb halte ich diesen
Staat (Eidgenossenschaft!) nicht für ein übertragbares Modell. Allgemein gesagt, bildet eine gemeinsame Sprache
eine starke psychische Klammer (siehe Walter Porzig, Das Wunder der Sprache, Sprachphilosophie,
Sprachpsychologie), die man in der Regel auf Dauer nicht politisch überspielen kann, wie es sich aus der Geschichte
wiederholt erweist (siehe z. B. den habsburgischen Vielvölkerstaat). Eine „Notwendigkeit“ werden wir schwerlich
erörtern können, zumal sich die Frage stellt, wovon sie überhaupt abgeleitet werden soll (Auf welcher Grundlage soll
man eine Voraussetzung schaffen, die eine Notwendigkeit bedingt?). Von der Idee des Nationalstaates? Was aber
macht den Nationalstaat notwendig? Die gemeinsame Sprache? Da dreht man sich im Kreis. Am ehesten wird man
wohl die Menschenrechte zugrundelegen können, nach denen wir jedem Menschen zugestehen, seine Muttersprache
zu sprechen und zu pflegen — wobei die Dialekte wiederum entsprechend gewürdigt werden. Hiernach muss sich
dann die Politik eben richten, wenn sie ein menschenwürdiges Gepräge zeigen soll — und gerade das scheint mir in
Norwegen recht gut zu funktionieren.

08.10.10 07:07
Es geht kaum ohne, siehe Schweiz. Im Parlament wird üblicherweise Schweizer Hochdeutsch gesprochen, das alle verstehen. Und Walliserdeutsch zu verstehen bereitet auch sonstigen Schweizern Probleme.

Aber hier geht es um die Situation in Norwegen. Die ist durch den Einfluss vor allem des Fernsehens und durch größere Mobilität auf dem Wege der Angleichung. Starke Dialekte haben auf Dauer keine Chance, sich als solche zu erhalten. Du solltest deine Dialekt-romantischen Vorstellungen begraben.

08.10.10 11:52, Jørg li
Zitat: „Du solltest deine Dialekt-romantischen Vorstellungen begraben.“ (Zitatende)
Wer wird da angesprochen? Ich jedenfalls hege weder irgendwelche dialekt–romantischen Vorstellungen noch versteife
ich mich auf den Dialekt, in dem ich aufgewachsen bin. Ich versuche nur, über das Thema zu reflektieren. Einwände
und andere Perspektiven sind willkommen, aber du solltest nicht so persönlich werden und deine Antwort sachlich
halten.

08.10.10 12:01
Wer wird da angesprochen? Geissler

08.10.10 12:07, Geissler de
Ich verwehre mich ausdrücklich gegen die Unterstellung, ich hätte "dialekt-romantische
Vorstellungen". Wie übrigens auch gegen die Unterstellung, ich konstruierte etwas. Aber es
läßt sich halt leichter gegen das argumentieren, was man dem Mitfiskutanten selbst
zuschreibt.

10.10.10 10:19
Zum Thema Dialekt/Standardaussprache kam heute (10.10.2010) ein interessanter Beitrag in NRK Språkteigen
http://www.nrk.no/programmer/sider/spraakteigen/
(die Sendung taucht erst in ein paar Tagen in der Übersicht auf)

Es wurde über Veränderungen des Trondheim-Dialekts gesprochen. Einige Aussagen:

Palatalisering er ikke lenger like selvsagt
Tilnærming til det som oppfattes som normaluttalen
Et ønske om å gjøre seg forstått over hele Norge
Gradvis overgang til standardform

Obwohl es keine amtliche norwegische Standardaussprache gibt, wird also doch eine gewisse Normal- oder Standardaussprache empfunden, der man den eigenen Dialekt annähert.

Nächste Woche: Bergendialekt

Wowi