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Noch eine Frage aus der Rechtssprache: Was bedeutet "Verfall von Wertersatz"? Ich finde "Wertersatz" weder im Duden
noch im juridischen Wörterbuch. Danke im Voraus!

Rie

04.04.11 13:23
Rie.

Erstatningsbeløpets forfallsdato.
Oddy

04.04.11 13:38
Nærliggende begrep: Wertansatz ( Takst )
Wertansatz für Schadensfälle.

04.04.11 13:51, Ulrike Wälder de
Ist damit nicht einfach "Ablauf der Garantiezeit" gemeint?

04.04.11 13:55
Wertansatz : Fastsatt beløp ( amount stated )

04.04.11 14:58
Rie schreibt aber "WertErsatz". Müsste so was wie verdierstatning sein (nicht unbedingt Geld).

04.04.11 15:22, Rie no
An "verdierstatning" habe ich auch gedacht, bin mir aber nicht sicher, ob man das auf Norwegisch sagen kann?

Das Problemchen im Zusammenhang: Das Gericht hat "den 'Verfall von Wertersatz' in einer Höhe von xx Euro
angeordnet". Ich glaube nicht, dass ein Verfallsdatum hier gemeint ist, aber danke für eure Bemühungen.

Rie

04.04.11 15:56, Geissler de
Es gibt unter Juristen das Bonmot "Ein Blick ins Gesetzbuch erleichtert die
Rechtsfindung". Das will sagen, daß man sich manchmal viel Diskussion, Interpretation und
Vermutungen ersparen könnte, wenn man einfach nur den einschlägigen Text läse. So auch
hier, nur wird hier nicht die Rechts-, sondern die Bedeutungsfindung erleichtert..

§ 73 Absatz 1 Satz 1 StGB:
"Ist eine rechtswidrige Tat begangen worden und hat der Täter oder Teilnehmer für die Tat
oder aus ihr etwas erlangt, so ordnet das Gericht dessen Verfall an."

Auf Deutsch: Was einer durch eine Straftat bekommt (oder auch sich dafür beschafft), kann
ihm das Gericht wegnehmen. Mit "Verfall" meint das Gesetz wohl, daß das Eigentumsrecht
verfällt.

Beispiel: Ein Drogenhändler hat sich mit Drogengeld einen Ferrari gekauft. Den kann das
Gericht ihm wegnehmen.

Weiter im (Gesetzes-)Text, § 73a Satz 1 StGB (sinnigerweise "Verfall des Wertersatzes"
betitelt):
Soweit der Verfall eines bestimmten Gegenstandes wegen der Beschaffenheit des Erlangten
oder aus einem anderen Grunde nicht möglich ist [...] ordnet das Gericht den Verfall eines
Geldbetrags an, der dem Wert des Erlangten entspricht.

Wieder auf Deutsch: Wenn das Gericht dem Kriminellen die Sache nicht wegnehmen kann, kann
es als Ersatz den Wert der Sache in bar einkassieren.

Meine Interpretation (IANAL, Juristen mögen mich korrigieren):
Wenn der Ferrari des Drogendealers nicht eingezogen werden kann, weil er in der Türkei
steht und das Gericht deswegen nicht drankommt, muß der Drogendealer stattdessen den Wert
des Autos ("Wertersatz") bezahlen.

04.04.11 16:20, Geissler de
Noch eine kleine Anmerkung, weil das ein sehr häufiger Fehler von Norwegern ist: dem
norwegischen juridisk entspricht im Deutschen "juristisch". Das Wort "juridisch" ist nicht
gebräuchlich.

04.04.11 16:27, Rie no
Danke SEHR, Geissler!

Rie

04.04.11 20:42
Det som beskrives her, har ikke noe med det vi på norsk til daglig omtaler som "erstatning", jf spm nedenfor. Derimot er det her tale om en strafferettslig "inndragning", som fungerer slik Geissler beskriver.

Utbyttet fra en straffbar handling kan inndras hos den det befinner seg hos. Retten kan også i stedet for inndragning av selve det opprinnelige utbyttet (gjenstander eller penger) inndra et substitutt som det har blitt omdannet til (gjenstanden er solgt for penger, eller penger er brukt til å kjøpe noe.)

(Hvorvidt det forøvrig i Tyskland er adgang til å inndra penger i stedet for gjenstanden, bare fordi man ikke får tak i gjenstanden som fortsatt finnes, tør jeg ikke ha noen formening om. I norsk rett vil man for de mest alvorlige forbrytelsene kunne beslutte inndragning av penger ut fra mer generell berikelse fra sannsynliggjort utbytte fra straffbare handlinger, uavhengig av hva pengene måtte ha blitt brukt til.)

Akel (N)

04.04.11 23:58, Jørg li
Lieber Geissler, ein so schlimmer Fehler ist das nicht mit „juridisch“; halt ein bißchen altmodisch und „österreichisch“.
Siehe Österreichisches Wörterbuch, 23. Auflage, Wien, S. 98: die juridische Fakultät; weiter: Duden Rechtschreibung,
Mannheim-Wien-Zürich 1967, S. 362: juridisch (veralt., aber noch östr. für: juristisch). Ein wenig Nostalgie schadet
auch in der Sprache nicht, denke ich, und das Österreichische hat doch auch einen gewissen Charme, nicht wahr?

05.04.11 00:18, Geissler de
Wieder etwas gelernt; danke dafür!