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Hallo, ich wundere über den Ausdruck "schon mal" z.B in einem Satz von der Reihe "Derrick": "Harry, fahr
schon mal den Wagen vor." Wie wollten Sie "schon mal" auf norwegisch übersetzen? Und welche
Einwirkungen kriegt es für den ganzen Satz? (Bedeutet es noch nur: "Harry, kjør fram kjerra (bilen)"?) Ich wäre
wirklich dankbar, Ihre Hilfe zu bekommen. Ich habe deutsch seit nur einer Woche studiert, so Ich wäre auch
sehr dankbar, um Ihre Sprachänderungen in dieser Frage zu kriegen. Bitte, je mehrere, desto besser!

17.04.11 00:12
"Schon mal"(=schon einmal) bedeutet hier, dass Harry den Wagen gewissermaßen als Vorbereitung vorfahren soll, weil der Wagen später sowieso gebraucht wird.
Ein anderes Beispiel:
"Ich will morgen in den Urlaub fahren. Deswegen habe ich heute schon mal den Koffer gepackt."

Andere Anmerkungen:
"ich wundere über" -> "ich wundere mich über"
"Bedeutet es noch nur" -> "noch" ist hier überflüssig
"Ich habe deutsch seit nur einer Woche studiert" -> ich lerne Deutsch erst seit einer Woche
"so Ich wäre auch" -> also wäre ich auch
"je mehrere" -> je mehr

Was du geschrieben hast, ist aber schon sehr gut für nur eine Woche Deutschlernen!

17.04.11 01:43, Jørg li
„mal“ ist umgangssprachlich, nicht Schriftsprache; außerdem eher auf den nördlichen Sprachraum begrenzt und im
Süden unüblich. In Österreich etwa klingt „komm mal“, „schau mal“, „nun iß mal“ usw. „typisch deutsch“ — gemeint ist
norddeutsch. Es ist eine Verstümmelung von „einmal“ und für meine Ohren kein schönes Deutsch. Man kann im
betreffenden Satz einen anderen Ausdruck verwenden, z. B. „vorsorglich“ oder „inzwischen“, womit die Bedeutung auch
noch präzisiert werden kann, denn „schon mal“ ist nicht ganz eindeutig. Ich würde jedem Deutsch Lernenden
empfehlen, diese Wendung zu vermeiden.

17.04.11 12:54
Der Ausdruck "schon mal" ist auch hier in Süddeutschland ganz gängige Umgangssprache. Was sollte ich sonst sagen, wenn ich "schon mal" den Wagen vorfahren soll??????

17.04.11 14:32
Natürlich ist das auch im Süden ein gängiger Ausdruck. Derrick spielt in München.

17.04.11 17:26, Ilsedore de
Hei,siden det var snakk om oversettelse av "schon mal" foreslår jeg: allerede.
Ellers kan striden mellom nord- og sør-tyskerne sammenlignes med krangelen mellom svenskene og normenn...

17.04.11 19:24, Jørg li
Wie man das sonst noch sagen kann? Z. B. „Fahr schon einmal den Wagen vor!“ (— Ich habe gemeint, daß
Wortverstümmelungen vermieden werden sollten.)
Es gibt aber noch andere Möglichkeiten, je nach Situation, z. B. „Bring inzwischen den Wagen her!“ oder „Fahr
derweil den Wagen vor die Tür!“ oder „Hol für den Fall das Auto (bzw. den Wagen}!“ oder ”Bring einmal das Auto!“
oder „Stell einmal den Wagen vor das Haus!“ usw. usw.
Mit dem „mal“ ist es ähnlich wie mit dem „raus“. „Raus“ ist eine Verstümmelung von „heraus“ und wird dazu noch oft
falsch im Sinne von „hinaus“ verwendet. Wenn man jemanden aus einem Zimmer hinauswerfen will, heißt das eben
korrekterweise „hinaus!“ und nicht „raus!“.
Zur Gängigkeit: Durch das Fernsehen und andere Massenmedien werden freilich sprachliche Schlampereien und
„Unsitten“ im ganzen Sprachraum verbreitet.

17.04.11 19:27
Ohje, schon wieder so einer, der den Menschen vorschreiben will, wie sie zu reden haben... ich sehe da eine eingesparte Silbe, nicht mehr und nicht weniger.

Ich sehe hier übrigens keinen Streit zwischen Süd- und Norddeutschen.

17.04.11 19:30
Wie du es übrigens schon selbst sagst, Jörg: "„mal“ ist umgangssprachlich, nicht Schriftsprache". Genau. Und jetzt verrate mir noch, wieso in Fernsehesendungen Schriftsprache gesprochen werden sollte?

17.04.11 20:34
Sprache lebt nun einmal, und Umgangssprache unterscheidet sich von Schriftsprache. Vieles entwickelt sich weg von seinem Ursprung und nimmt mit der Zeit andere Bedeutungsnuancen oder gar andere Bedeutungen an. Das mag in dem Moment, in dem es passiert, ganz fürchterlich sein (wenn man ein Sprachbewahrer ist), aber wir reden und schreiben ja heute auch nicht mehr so wie vor 100 oder 200 Jahren, und täten wir es doch, so wäre es aus heutiger Sicht nicht korrekt. Ist das nun schlimm oder einfach der Lauf der Dinge?

Ich würde übrigens "mal" statt "einmal" als Verkürzung und nicht als Verstümmelung bezeichnen, um nicht pauschal und subtil alle zu beleidigen, die "mal" sagen oder gar schreiben. Was daran schlimm sein soll, erschließt sich mir nicht.

17.04.11 21:30
Die doppelte Verstümmelung im Sinne von Jørg wäre dann
"Ich geh dann mal raus"
Ich finde es schön, wenn sich Deutschlernende um solche kleinen Worte Gedanken machen.

17.04.11 21:32
Guten Abend Jørg,
nur eine Frage zu folgenden Sätzen: "Bring inzwischen den Wagen her. Bring einmal das Auto. Stell einmal den Wagen vor das Haus."
Ist Harry ein Urur...enkel von Obelix? Der konnte Hinkelsteine schleppen. Schleppt Harry die Autos vor die Tür von Derrik?
Ich hab mir nur mal gedacht wie du gedacht haben könntest?
Vennlig hilsen fra Claus i Kristiansand

17.04.11 21:54, Jørg li
Wenn man als Lernender einer Sprache zwischen Schriftsprache und Umgangssprache unterscheiden kann, dann ist
es ja gut. Ob man allerdings Sprachpflege in Form einer Schriftsprache treiben soll oder nicht, ist eine
sprachphilosophische Frage, die dieses Sprachforum wohl sprengen und daher hier nicht am Platze sein dürfte.
Dasselbe dürfte für Erörterungen über semantische Fragen wie Begriffsinhalt, Nebenvorstellungen, Gefühls- und
Stimmungswert, Bedeutungserweiterung, Bedeutungsverengung, Bedeutungsverschiebung usw. gelten. Man wird
sich aber klar werden müssen, ob man zwischen Schriftsprache und Umgangssprache unterscheiden will. Natürlich
kann man das auch prinzipiell ablehnen und damit auch Sprachpflege als obsolet erklären. Das steht
selbstverständlich jedem frei. Allgemein verbreitet scheint mir diese Einstellung jedoch nicht zu sein, sonst würden
in den Schulen wohl keine Germanisten mehr eingestellt werden. Ich habe nie Umgangssprache oder einen Dialekt
als „schlimm“ oder ähnlich abwertend bezeichnet, und es liegt mir vollkommen fern, irgend jemanden „beleidigen“
zu wollen. Im Gegenteil! Dialekte werden von mir durchaus gewürdigt. Manches, besonders emotionale Färbungen,
lassen sich nicht selten in einem bestimmten Dialekt besser ausdrücken als in der Schriftsprache.
Zu Claus: Ein Überstellungsfahrer „bringt“ den Wagen von A nach B — auch ohne ihn auf die Schultern zu nehmen.
Was selbstverständlich ist, muß nicht eigens erwähnt werden. Deshalb werden Autos auch „abgestellt“.

17.04.11 22:51
Ich möchte an 00:12 anschließen und zur Frage zurückkehren

"schon mal" ist wohl eher Umgangssprache und auch ein Füllwort, z.B.

"Harry fahr schon mal den Wagen vor" = "Harry fahr den Wagen vor"
"Claus bestell schon mal das Essen" = "Claus bestell das Essen"
"Jørg geh schon mal raus" = "Jørg geh raus"

in meinen deutschen Ohren nimmt "schon mal" die Schärfe aus dem Imperativ.

Gruß FZG

17.04.11 23:23, Jørg li
22:51
D. h. dass die Wendung stärker emotional gedeutet wird als definitiv. Dann ist es umso schwieriger, sie zu übersetzen.

18.04.11 07:22
Was hilft dieser ganze Diskussionsquatsch dem Fragesteller? Da kommt nichts bei raus (sic).

18.04.11 08:24, Kaxn de
Für mich wird "schon mal" folgendermassen verwendet:
Ich bin gerade mit etwas beschäftigt und bitte die andere Person (weil ich selber gerade nicht kann, weil ich beschäftigt
bin), etwas zu erledigen, was ich ( wenn ich nicht beschäftigt gewesen wäre) auch leicht selber hätte tun können.
Es kann natürlich auch als Ausrede benutzt werden. "Harry, fahr schon mal den Wagen vor" während ich dies und jenes
tue. Harry sieht natürlich nicht, was ich tue. Ich sitze nur da und drehe Däumchen.

18.04.11 09:24
Servus Jörg.
Die bairische und österreichische Schriftsprache erlaubt kein allein stehendes " mal ".
Der Bayer muss sich entscheiden :dreimal, zweimal oder wenigstens einmal.
Kuck mal : Schau einmal.
Für komm doch oder komm halt vermeidet der Bayer zu sagen : " Komm schon ", denn das
hieße soviel wie " komm bereits ".
Nördlicher in Süddeutschland ist vielleicht " schon mal " gängiger, jedenfalls in der Kurpfalz ( Mannheim )und vielleicht auch sogar im Ländle.
Allgemein hat über Jahrzente die norddeutsche Umgangssprache in den oberdeutschen Raum hineingedrungen.
So schreibt " mal " ein bairischer Schriftsteller :
" Es ist schon so : Bismarcks Proselytenmacher sind nicht nur am Rhein geschäftig. Mit der Waffe wirksamer Werbung gehen sie auf Eroberung aus und verbreiten - expressis verbis gesagt - ihren Slang bis ins letzte bayerische Dorf, in den hintersten Rupertiwinkel,
altes salzburgisches Land."
Vielleicht gibt es feste Begriffe mit alleinstehenden " male " die im ganzen Lande
gängig sind. ( Vielleicht :" Pass mal auf " ?? )
Was mit einem Malwettbewerb mit dem Motto : " Mal mal! "
Oddy

18.04.11 09:46
Schwäbisch kennt meines Wissens auch nur "einmal", kein "mal": Guck emol!
Sei's drum. Ein Sprachlernender sollte lernen, wie die Leute ihre Sprache sprechen und nicht, was sich ein paar Gelehrte im stillen Kämmerchen ausdenken. Allen Lernern der deutschen Sprache sei hiermit angeraten, dass sie durchaus "mal" und "raus" sagen dürfen.

Anyway, håper at Zebrastreifen fikk et tilfredsstillende svar.

18.04.11 11:02, Geissler de
Oddy har recht: "mal" steht hierzulande (in Bayern) zumindestens bei den Eingeborenen nicht
allein da.
Was bei Derrick gesagt wird, ist alles andere als repräsentativ. Die Serie spielt zwar
angeblich in München, tatsächlich aber in einer Kunstwelt, die mit dem realen München auße
ein paar Gebäuden nicht viel zu tun hat. Horst Tappert war auch kein Münchner, und der
Drehbuchautor auch nicht -- sie stammten beide aus Westdeutschland.

18.04.11 16:50
Die Serie spielt zwar angeblich in München, tatsächlich aber in einer Kunstwelt
Beruhigend. Sonst möchte man ja lieber arm als reich sein, so oft wie da die armen Reichen gemeuchelt werden.

19.04.11 00:02
Und wenn mir alle Grammatikexperten den Kopf abreißen.
Der Fragesteller sollte auch auf Aussagen wie "mach das schon mal" reagieren können.
Besser ist natürlich "Erledige bitte zuerst / vorsorglich / inzwischen diese Arbeit" (Danke Jørg).

Der Deutschlernende kann selbstverständlich in seiner Rede diese Wendungen vermeiden, aber macht es auch sein Gegenüber?

19.04.11 00:30, FZG de
Interessant ist http://www.google.de/#hl=de&source=hp&q=%22schon+mal%22+site:http%3A%2F...
In in den meisten Fällen kann das "schon mal" einfach weggelassen werden.

19.04.11 03:21, Mestermann no
"Schon mal" eller "schon" er på dagligtysk fyllord, som ikke alltid uten videre kan oversettes til norsk. På norsk ville vi
sagt det annerledes, ofte mer direkte, eller noen ganger brukt andre fyllord. Det er vanskelig å angi noen regler for
dette.

Er hat schon Rom gesehen - han har allerede sett Roma (her kan schon oversettes leksikalsk)
Er hat schon oft Rom gesehen - han har sett Roma mange ganger/ han har vært i Roma mange ganger.
Mach das schon mal - her kan man ikke oversette direkte, men må bruke andre formuleringer: Se nå til å få gjort
det. Sørg for at det blir gjort. Kom igjen!

Når Derrick sier sin klassiske replikk til Klein, ville vi vel på norsk oversette det med: "Harry, kjør fram bilen." Eller
"Harry, hent bilen."

20.04.11 17:32
Kleine Nuance @ Mestermann: "schon" und "oft" sollte vor dem Wort stehen, auf das es sich bezieht. D.h. es sollte heißen "er hat Rom schon gesehen", ebenso "er hat Rom schon oft gesehen". Andernfalls wird Rom betont und herausgehoben gegenüber z. B. Venedig oder Madrid.