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Heihei!

Hab mal eine Frage: Besteht ein sprachlicher Zusammenhang zwischen dem norwegischen "lausunge" (uneheliches Kind) und dem deutschen "Lausejunge" (liebevoller Ausdruck für frecher Junge)?

Dank euch für die Antwort(en)
Ulrike

26.04.11 14:54
Sieht nicht so aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lausejunge

Mvh RS.de

26.04.11 15:02, Ulrike Wälder de
Ist mir schon klar, dass sich das Wort im Laufe der Zeit verselbständigt hat, ich wollte aber gern wissen (und fand da auch nichts drüber im Netz), ob mit "Laus" das kleine Tierchen gemeint ist oder halt doch das norwegische "laus" im Sinne von "heimatlos" oder gar "vogelfrei".

26.04.11 15:15, Mestermann no
Laut Wikipedia: Ursprünglich war „Lausbube“ eine Bezeichnung für Ministranten in der Heiligen Messe. Als diese noch in
Latein gelesen wurde, lautete ein häufiger Beitrag des Ministranten zur Liturgie: Laus tibi Christe („Lob dir, Christus“).

Laus im Norwegischen "lausunge" hat aber weder mit "Laus tibi Christe", noch mit dem Tierchen "Laus" zu tun, sondern
mit "laus" im Sinne von "løs", also: nicht verbunden, gelöst.

Lausunge und Lausjunge sind also was die Übersetzer gern "Falsche Freunde" nennen; die Ähnlichkeit beruht auf einen
Zufall, aber sie bedeuten nicht das gleiche.

26.04.11 15:21, Ulrike Wälder de
Dankeschön!

26.04.11 15:29, Geissler de
Die Herleitung von einer angeblichen Bezeichnung für Ministranten halte ich für fragwürdig;
sie erscheint mir extrem unplausibel.

Davon abgesehen spricht auch nichts für einen Zusammenhang mit norw. laus. Das deutsche
Kognat "los(e)" hat seit dem Althochdeutschen nie etwas anderes als den Stammvokal "o"
gehabt, wo sollte da das "au" herkommen?

26.04.11 15:35
Bei uns kann " rakkerunge " dasselbe wie Lausejunge/Lausbub bedeuten .
( hyggelig skjellsord ): " Du din rakkerunge, la katta være i fred! "
Rakkerunge : Sohn des Scharfrichters.

Oddy

26.04.11 15:48, Mestermann no
@Geissler: Naja, was Wikipedia schreibt.... http://dwds.de gibt die Herkunft von "Lauser" (als Synonym zu Lausbub,
Lausbengel) mit Laus (dem Tierchen) an, während http://etymologie.tantalosz.de die Bedeutung gleich mit der aus
Wikipedia angibt. Hier muss wohl jemand im grossen Duden nachschlagen.

26.04.11 15:57, Mestermann no
...Und http://www.etymologie.info/ gibt dieselbe Bedeutung als Wikipedia an.

26.04.11 16:17, Geissler de
Die Seite ist ja eine Frechheit. Wie soll man da was finden? Wer die Seite verbrochen hat,
kann nicht ganz bei Trost sein. Ich habe jedenfalls den Eintrag nicht finden können.

Abgesehen davon: Daß einer vom anderen abschreibt, ist nichts Neues, und schon gar nicht
in den Zeiten des Internets.

Mir ist übrigens noch was eingefallen, was die Wikipedia-Erklärung unplausibel macht: Das
"Laus tibi, Christe" (im modernen, deutschen Ritus "Lob sei dir, Christus") wird nicht von
den Ministranten gesagt (die sagen überhaupt sehr wenig während der Messe), sondern von
der Gemeind, und auch in der lateinischen Liturgie war und ist das so.

Wer das geschrieben hat, kennt sich also mit dem katholischen Ritus nicht besonders aus.

26.04.11 16:24, Geissler de
Und auf der Diskussionsseite noch ein interssanter Hinweis, der die Ministrantentheorie wohl
endgültig beerdigt: In der Schweiz heißt es "Luusbueb", denn das Schweizerdeutsch hat die
von der Steiermark ausgehende Vokalverschiebung vom langen "u" zum "au" (Huus -> Haus, uf ->
auf usw.) nicht mitgemacht. Das Tierchen heißt also in der Schweiß auch "Luus", im
katholischen Ritus wurde aber selbstverständlich auch in der Schweiz "Laus" gesagt.

26.04.11 16:38, Mestermann no
Interessant. Dann scheint wohl die Erklärung "Laus tibi" eine hübsche Privatetymologie zu sein...

26.04.11 16:43, Ulrike Wälder de
Ihr seid Klasse - vielen herzlichen Dank für Nachdenken und intensive Recherche!

Ulrike

26.04.11 21:07
Lauser : mutwilliger, dreister, frecher Junge. Auch Kosewort. Er gilt als verlaust und wird als ebenso lästig empfunden wie Ungeziefer. ( Belegt ab ca 1800 )

Lausjunge : frecher,unverschämter Junge ( beleget seit dem 18. Jhr. )

Quelle : Küpper, " Wörterbuch der deutschen Umgangssprache"

Lemmi