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Heihei alle sammen,

ich habe mal wieder ein Problem mit einem alten Zitat von 1841. Leider sind vom Verfasser, dem Landschaftsmaler J.C.Dahl, zwei inhaltlich/grammatisch falsche Formulierungen hineingepackt worden (so zumindest vom Herausgeber mit (sic) hervorgehoben) - mal ganz abgesehen von den Schachtelsätzen!

„En Maler maa som en sand Digter, ej rette sig efter den herskende ofte fordærvede Smag, men søge at danne og lede til det rigtigere Naturlige og bedre. – Et Landskab maa ej allene fortsætte os i et bestæmt Land eller Egen, men have det caracteristiske af dette Land og Natur det maa for den følende Besjuaer tiltale han (sic) paa en poetisk maade – maa tillige saa at sige fortælle ham om Landes (sic) Natur – Bygningsmaade – Folk og Skikke – Ofte Idyllisk, ofte historisk – Mellancolisk – det de var og er – om jeg saa maa udtrøkke mig.

Meine holprige Übersetzung:
„Ein Maler muss wie ein wahrer Dichter, sich nach dem herrschenden, oft verdorbenen Geschmack richten, aber versuchen das richtige(re) Natürliche und Bessere zu gestalten und hin zu führen. – Eine Landschaft muss uns … alleine in ein bestimmtes Land oder eine Gegend (?) versetzen, aber das charakteristische von diesem Land und seiner Natur haben, es muss den fühlenden Betrachter auf eine poetische Weise gefallen – muss sich so hinzufügen, dass es ihm von der Landesnatur erzählt – der Bauweise – Volk und Brauch – oft idyllisch, oft historisch – melancholisch – das, was sie sind und waren (Wer/ was jetzt?) – falls ich mich so ausdrücken kann.“

Tusen takk im Voraus!

27.04.11 22:10, Geissler de
Zuerst die Wörter, mit denen du Probleme hast:
ej = ikke
"danne" würde ich als "bilden" im Sinne von "erziehen" verstehen.
egen = egn (richtig erkannt
sige = si
de = Landes Natur – Bygningsmaade – Folk og Skikke
"må" für "kan" ist Dänisch

Meine Übersetzung würde lauten:
Ein Maler darf sich, wie auch ein wahrer Dichter, nicht nach dem herrschenden, oft
verdorbenen Geschmack richten, sondern versuchen, zum richtigeren Natürlichen und Besseren
hin zu bilden und zu führen. Eine Landschaft soll uns nicht nur in ein bestimmtes Land
oder Gebiet versetzen, sondern auch das charakteristische von Land und Natur haben -- es
muß den fühlenden Betrachter auf eine poetische Weise ansprechen, es muß ihm sozusagen
gleichzeitig etwas über Natur, Bauweise, Volk und Brauchtum des Landes erzählen, mal
idyllisch, mal historisch -- melancholisch -- wie sie sind und wie sie waren -- falls ich
das so ausdrücken kann.

Naja, ein begnadeter Stilist war er ja nicht, aber schön malen hat er können.

27.04.11 22:35, Wanne Eis de
Der Gute hat beim Verfassen dieser Zeilen bereits 30 Jahre lang im Ausland gelebt, die meiste Zeit davon in Deutschland. Vielleicht ist sein Norwegisch deshalb so verkümmert.
Eine ganz wunderbare Übersetzung, die du mir da geliefert hast!
Vielen Dank!

28.04.11 05:29, Mestermann no
Eine sehr gute Übersetzung. IC Dahl war übrigens Sohn von einem armen Fischer und Fährmann aus Eivindvik in
Sogn og Fjordane, und besaß zunächst kaum eine literarische und gar keine akademische Bildung. Anfangs wollte er
Handwerker (Dekorationsmaler) werden; da sein grosses Talent aber von einflussreichen Menschen in Bergen erkannt
wurde, bekam er durch ihre Hilfe und Spenden die Möglichkeit, in der Kgl. Akademie der Künste in Kopenhagen zu
studieren. Von dort ging der Weg allmählich nach Dresden, wo er 1824 Professor an der Kunstakademie wurde.
Interessant in diesem Zitat ist z.B. "om jeg saa maa udtrökke mig", wo "udtrökke" ganz deutlich "Volkssprache" ist.
Die Rechtschreibung im Zitat ist chaotisch ("allene", "Egen", "Mellancolisk") und der Satzbau sehr mündlich. Insofern
erinnert er an ein anderes "Naturtalent" aus Norwegen, Olaf Gulbransson, der etwa 100 Jahre später in der
Kunstakademie zu München ebenfalls Professor wurde, und der auch Norwegisch und Deutsch etwa so schrieb, wie
er sie sprach. Es kommt aber natürlich jeweils auf den Inhalt an. Interessantes Zitat.

28.04.11 15:51, Geissler de
In meiner Übersetzung fehlt übrigens noch ein Wort. Es muß heißen: "... sondern muß
versuchen