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Hallo Heinzelnisse!
"Han frontet dem" und "da frontet han kraftig". Ich verstehe, was gemeint ist. Aber mir fehlt das passende deutsche Wort. Jemanden konfrontieren? Aber mit was? Auf deutsch sagt man doch "er konfrontierte ihn mit dem und dem". Aber davon steht im norwegischen Text nichts. Hat jemand eine Idee?
Gruß Judith

11.10.05 11:46
Ein Zusatz noch: es geht dabei um eine Zeitung / Zeitschrift aus der Kriegszeit. Damals war ja sogar das Papier rationiert. Er ging zu den Behörden "og frontet dem", um die Zeitung am Leben zu erhalten. Ist vielleicht im Zusammenhang besser zu verstehen. Judith

11.10.05 11:54
Wer ist "dem"? die Behörden oder die Gruppe der Zeitungsmacher? Wenn letzteres, dann trat er an der Spitze, in vorderster Linie, auf gegenüber den Behörden.

Dokpro:
1 være offentlig talsmann for; informasjonsdirektøren skal figurere i mediene og f- bedriften
2 danne front mot, imøtegå offentlig; denne gang f-r Greenpeace (mot) dumping av oljeplattformer / vi har vært for feige til å f- høyreekstremistene

11.10.05 11:54
Hallo Judith,
ich glaube, hier wird das Verb " å fronte " , das eigentlich umgangssprachlich und in den Medien im Sinne von " eine Sache repräsentieren " verwendet wird, in der Bedeutung " konfrontieren " benutzt. Kannst Du mal den ganzen Satz auf Norwegisch und vielleicht auch die Quelle angeben ? Mein Verdacht ist, das hier Sprachhunzer am Werk sind, aber in Zeitungen steht ja viel, wenn der Tag lang und das Papier nicht mehr rationiert ist.

Lemmi

11.10.05 12:03
Haha, kann man wohl sagen. Es ist eigentlich eine mündliche Überlieferung aus der Kriegszeit. Der norwegische Erzähler drückt sich so aus: "Han kunne gå opp til nazifolket under krigen. Reiste til Oslo. Han frontet dem og fikk bladet til å gå videre. Fikk papirer han trengte og så videre, da det var rasjoneringstid. Da frontet han med kraft!" Wie gesagt, es ist eine mündliche Aussage - wie nur unschwer zu erkennen ist - aber ich suche ein passendes Wort für "frontet dem" (die Nazis also) in diesem Zusammenhang. Denn konfrontiert kommt mir falsch vor, denn mit was konfrontiert? Das geht aus der Aussage nicht hervor, auf deutsch müsste ich aber schreiben: "er konfrontierte sie mit..."
Vielleicht "er argumentierte gut"? Er steht ja für seine Zeitung bei den Behörden ein. Er hat sie ja überreden können, Papier für seine Zeitschrift zu bewilligen. Judith

11.10.05 12:49
Hei Judith,
ich versuche mich in die Situation zu versetzen. Wenn man kein Papier hat, aber eine Zeitung herausgeben muß um zu überleben. Es war Papier für die Popaganda da, es war Papier für Anordnungen usw da. Eben für alles was dem NS-Regiem nützlich erschien. Wenn man jetzt diesen Leuten erklärt, daß es keine Möglichkeiten gibt etwas zu verbreiten an dem die Nationalsozialisten interessiert sind, weil man kein Papier hat um es zu veröffentlichen, hat man sie mit den eigenen Waffen geschlagen also man hat sie mit der Situation konfrontiert in die sie sich selber gebracht hatten. Vermutlich hatten die Nationalsozialisten ein Interesse daran die Zeitung am Leben zu erhalten sonst hätte sie kein Papier keine Druckfarben etc. erhalten. Umd das zu bekommen hat sie die erwähnt Person mit der Situation. kräftig konfrontiert = kraftig frontet. Er ging also in eine Art Opposition zu den gegebenen Verhältnissen. So verstehe ich nach Überlegen was gemeint sein könnte. Nun hoffe ich nur, daß du mir folgen kannst? Kennst du zufällig: Stå vakt i mørket von Hiltgunn Zasenhaus? Wenn nein, kann ich dir das Buch empfehlen. Du wirst suchen müssen. Sie ist bei vielen Menschen der etwas älteren Generation bestimmt bekannt.
Riktig god dag fra Claus i Kr.sand

11.10.05 12:53
Entschuldigung:
Hiltgunt Zassenhaus
Das Buch ist erschienen in Tiden Norsk Forlag 1. Auflage 1947. Sie ist, wenn sie noch lebt heute Ärztin in den USA kommt aus Hamburg und ist dort Ehrenbürgerin.
Hilsen Claus i Kr.sand

11.10.05 12:54
sieht hier aus wie:
å fronte noen = jemanden um etwas angehen (mit Nachdruck bitten)

11.10.05 14:07
eine vielleicht zu wenig umgangssprachliche Uebersetzungsvariante: (entschieden)entgegentreten

11.10.05 15:23
Danke, danke allen für eure Antwort! Hat mir weitergeholfen. Danke, Claus, für den "Roman" hehe. Ich konnte folgen, und ich glaube, dass es so gemeint sein könnte. Das erwähnte Buch kenne ich nicht, würde mich aber interessieren.
Gruß Judith

11.10.05 16:12
Hei Judith,
es ist kein Roman sondern die Geschichte einer Dolmetscherin aus Hamburg, die von der Gestapo zwangsverpflichtet wurde und dabei norwegischen Gefangenen in den KZs und Zuchthäusern heimlich z.T. zusammne mit dem norwegischen Seemannspastor in Hamburg geholfen hat. Nach ihrer Kartotek wurden von NOrwegen die weißen Busse nach Deutschland geschickt um Norweger nach Hause zu holen. Sie war die erste Deutsche, die nach dem Krieg in Norwegen studieren durfte als Dank für das was sie für Norweger getan hat. Sie ist auch von König Haakon VII. für ihre Arbeit ausgezeichnet worden. Auf Deutsch heißt das Buch: Ein Baum blüht im November, dort ist es bei Bastei Lübbe unter der ISBN Nr. 3-404-10647-4 erschienen.
Herzliche Grüße aus Kristiansand von Claus.
PS. Es hört sich spannend an, was du erarbeitest. Kannst du etwas mehr davon erzählen?

11.10.05 16:56
Hallo Claus! Ich habe eigentlich deine lange Antwort als "Roman" bezeichnet. ;-))) Ich freue mich darüber, dass sich jemand soviel Mühe gibt, um auf etwas zu antworten. Meine Arbeit ist eigentlich "unspektakulär". Es ist ein privater Film über das Leben eines Mannes, der unter anderem eben auch diese Zeitung am Leben erhielt. Und ich übersetze es ins deutsche. Und es war auch keine Propaganda, sondern eine christliche Zeitung. Hatte also im Grunde genommen mit dem Krieg nichts zu tun, ausser dass die Nazis alle (!) privaten Zeitungen aus Papiermangel einstellen wollten, und er den Mut hatte, für seine Zeitung zu kämpfen.

11.10.05 16:57
Gruß Judith

11.10.05 17:22
dann hat er sich ihnen entgegengestellt.

11.10.05 17:42
Hei Judith,
man mußte sich früher etwas einfallen lassen um an das zu kommen, was man benötigte. Manchmal mußte man etwas vortäuschen, was gar nicht vorhanden war oder ganz anders gemeint als gesagt war. Es dauerte meist eine Weile bis die Nazis begriffen, daß man sie aufs Kreuz gelegt hatten, wenn sie es denn erfaßten. In anderen Fällen war es genug die Kongensgate an König Haakons Geburtstag mit mehreren auf und ab zu gehen und man wurde in Kr.sand aufs Archiv zur Gestapo gebracht. Es war verboten, man durfte den König nicht mehr stützen, er war außer Landes. Die Kirche hat sich fast geschlossen gegen die Nazis gestellt, es gab auch Pastoren die mit Nasjonal Front sympatisierten. Es war in der DDR manchmal ähnlich. Du weißt vielleicht was blaue, grüne oder braune Fliesen in der DDR waren? So war es auch in Norwegen, man verständigte sich verhältnismäßig unauffällig.
Weil du das schreibst weißt du sicher auch wen die SS als wichtigste Person außer Jesus in der Bibel sah? Das ist so pervers, das ist fast schon nicht möglich zu denken. Gut wenn du dich damit befaßt. Das hilft gegen das Vergessen.
Beste grüße von Claus aus Kr.sand

11.10.05 18:59
Du scheinst dich ja mit den Thema zu befassen. Ich dachte eigentlich, dass ich einigermassen darüber Bescheid weiss, aber du belehrst mich eines Besseren.... Ich kenne die Fliessen nicht, und auch nicht die zweitwichtigste Person. Ich tippe nunmal auf das Gegenteil von Jesus - nachdem du so entsetzt scheinst....
Liebe Grüße
Judith

11.10.05 22:01
God kveld Judith,
Fliesen in Zeitungsanzeigen in der DDR waren West-DM-Scheine und somit bekam man für Westmark viel oder alles.
Die wichtigste Person laut SS war Judas. Ohne den Verräter wäre die Kreuzigung Jesus nicht vollführt worden. und somit nicht die Schrift efüllt... Ich finde es pervers, aber das war ein Argument der Nazis.
Ich habe mich aus meiner Familiengeschichte mit dem Thema auseinandergesetzt.
Es gab Nazis in Deutschland und in Norwegen, der berühmteste in Norwegen war wohl Knut Hamsun. In Norwegen waren die Nazis besonders pervers, meine ich, und dieses Volk hat ganz besonders gelitten. Es gibt wohl keine Familie die nicht irgendjemanden im KZ hatte. Es sind zahlenmäßig nicht so viele wie in anderen Ländern, aber prozentual mußt du suchen, ich glaube nicht, daß du ein Volk findest, das so viele Opfer per Familie hat.
Liebe Grüße auch an Dich von Claus aus Kr.sand

11.10.05 22:13
Damit geht dann nun eine lange Frage zu Ende. Jeg tar kvelden....
Aber das ist ja wirklich krass, das mit den Nazis. Von wegen Schrift erfüllt - ich will auch nicht in der Haut derer stecken, die dieser Erfüllung auf die Sprünge geholfen haben.
Ich habe übrigens norwegische Verwandschaft, aber soweit ich weiss, blieben sie - Gott sei Dank - von diesen Gräueln verschont.
Also, Gruß an Kr.sand bis zur nächsten Frage.....
Judith