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Hallo, ich habe eine Frage zu Fällen:

Heißt es: Er schoss ihr ins Bein, oder: Er schoss sie ins Bein.

Ich habe beide schon gesehen. Kann es sein, dass man beide sagen kann?

20.01.13 01:18, Geissler de
Kurze Antwort: Ja.

Lange Antwort: Ja, kann man.

20.01.13 11:25
Wobei meiner Meinung nach Dativ hier zumindest deutlich besser klingt.
Vielleicht gibt es da regionale Unterschiede (ich bin norddeutsch).

20.01.13 14:40
Dativ - er schoss wemins Bein?, ihr

Nominativ: sie
Genitiv: ihrer
Dativ: ihrer
Akkustiv: sie

20.01.13 19:25
Ich find's eigentlich mit Akkusativ auch sehr komisch, habe das lange Zeit sogar für einen Fehler gehalten und mich gewundert, dass ich es so oft lese (in Romanen). Vielleicht wirklich eine regionale Geschichte? Komme nämlich auch eher aus dem norddeutschen Raum.

20.01.13 20:18, Geissler de
Ganz kurz: Auch ich ziehe hier den Dativ vor. Warum der Akkusativ hier auch geht, dazu
morgen ein bißchen mehr.

21.01.13 12:24, Geissler de
Für die Betrachtung des Problems ist es, glaube ich, hilfreich, wenn wir zunächst die
minimal anders gelagerten, aber ähnlichen Formulierungen
a) Er schlug ihr ins Gesicht
und
b) Er schlug sie ins Gesicht
betrachten.

Bei a) handelt es sich um folgendes Satzparadigma: In einem Satz mit transitivem Verb als
Prädikat wird eine Person, die eigentlich das direkte Objekt der Handlung ist, dennoch als
indirektes, also Dativobjekt, behandelt, weil sie in gewissem Sinn gleichzeitig Empfänger
oder Nutznießer der Handlung ist. Man vergleiche:
Sie wäscht den Buben. ("Bub" ist dir. Obj.)
Sie wäscht dem Buben die Haare. ("Bub" ist indirektes Objekt)

Analog dazu:
Er schlug sie. (Sie ist das direkte Objekt, also Akk.)
Er schlug ihr ins Gesicht. (Sie ist das indirekte Objekt, also Dativ.)

Bemerkenswert am zweiten Satz ist, daß er über gar kein direktes Objekt verfügt, denn das
Akkusativobjekt aus dem Beispiel mit "waschen" ist durch eine adverbiale Bestimmung
ersetzt.

Schauen wir uns dagegen b) an: Hier ist der völlig einwandfreie Satz "Er schlug sie" durch
eine adverbiale Ergänzung (wohin? - ins Gesicht) erweitert, wogegen auch nichts
einzuwenden ist.
Mithin sind a) und b) vollkommen grammatische Sätze.

Jetzt zu den Ausgangssätzen, die statt schlagen das Verb schießen als Prädikat haben.
Schießen ist wie schlagen ein transitives Verb, es kann also ein Akkusativobjekt
haben. Man kann etwa ein Reh, einen Bock oder den ersten Preis schießen. Jetzt kommt
freilich der berechtigte Einwand, daß man normalerweise keine Menschen schießt.
Akzeptabel (im stilistischen Sinn) ist, daß man jemanden er- oder anschießt. Das ist
allerdings eher eine Frage der Konvention als der Grammatik.

Wohl aus diesem Grund klingt "Er schießt sie ins Bein" für viele verkehrt. Es gibt jedoch
analoge Sätze, wie eben unser Anfangsbeispiel b), die den Satz dann doch akzeptabel
erscheinen lassen.

21.01.13 16:16
Die Erklärung ist mal wieder super! Fühle mich wie früher im Lateinunterricht :-) mit dem dativus commodi
In der eigenen Sprache denkt man dagegen nicht so genau über die Verwendung der Fälle nach.... Normalerweise.

21.01.13 18:15
Vielen Dank für die ausführliche Erklärung, Geissler!
Bleibt für mich nur noch die Frage, wieso so viele Autoren/Lektoren/Verlage die Variante mit Akkusativ bevorzugen, obwohl die mit Dativ eindeutiger richtig ist. Wird wohl eines der ungelösten Mysterien dieser Welt bleiben ...

27.01.13 19:22
Geissler skriver at transitive verb kan stå med et direkte objekt, "es kann ein Akkusativobjekt haben." Transitiv betyr også "gå over", det vil grammatisk si at et direkte objekt i aktiv kan gå over til et subjekt i passiv. Setning a) "Er schlug sie ins Gesicht" heter i passiv "Sie wurde von ihm ins Gesicht geschlagen." Hva heter setning b)"Er schlug ihr ins Gesicht" i passiv?

27.01.13 21:56
Ihr wurde von ihm ins Gesicht geschlagen.

27.01.13 22:07
"Ihr wurde von ihm ins Gesicht geschlagen." Hva er så subjekt i den setningen? En setning skal per definisjon inneholde subjekt.

27.01.13 22:41
Tillegg: Jeg har lært at subjektet står i nominativ på tysk.