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"Entsinnen" ist nicht im Wörterbuch! Ich habe eine Frage dazu: Auf Deutsch hat man Genitiv-Deklination, aber ist das poetische Schönsprache oder wird es auch in der alltäglichen Umgangssprache benutzt?

z.B.:
Ja, ich entsinne mich ihrer = Ja, jeg husker henne.

Was würde man umgangssprachlich sagen?

Ein anderes Beispiel:

- Dein Name denn?
- Ich hatte viele, nun weiß ich ihrer keinen mehr.

30.01.15 16:29
Sich an etwas/jemanden entsinnen oder erinnern ist alltäglicher.
Noch wissen passt auch manchmal gut. ( Ich weiss deine Telefonnummern noch )

30.01.15 22:43
*'Sich an etwas entsinnen' ist allerdings schlicht falsch. Entsinnen wird in der Alltagssprache sehr wenig verwendet, und wenn doch, dann meistens ohne direktes Objekt: "Ich entsinne mich", "ich kann mich nicht entsinnen" o. Ä. 'Sich an etwas erinnern' ist der gebräuchliche Ausdruck in der Umgangssprache, 'entsinnen' ist ziemlich hochsprachlich.

31.01.15 08:15
'Sich an etwas entsinnen' ist allerdings schlicht falsch
Dachte ich auch, aber sag das mal dem Duden. In dem steht als Beispiel:
sich an jemanden, an ein Gespräch entsinnen
Das entspricht dem von 16:29 angegebenen Muster.

01.02.15 22:26
Der Duden ist, auch wenn viele das glauben, keine Autorität in Belangen der deutschen Sprache mehr, sondern ein Wörterbuch unter vielen. Ich will diesen konkreten Fall gar nicht anzweifeln, aber im Duden steht so einiges, was mich zweifeln lässt.

Mag sein, dass sich an etwas entsinnen korrektes Deutsch ist, aber es gibt offenbar einige, die dies für falsch halten. Man ist möglicherweise auf der sicheren Seite, wenn man die Wendung nicht benutzt.

02.02.15 03:56
"Sich an etwas entsinnen" ist ganz normales Deutsch. Und natürlich ist
der Duden weiterhin "eine Autorität".

02.02.15 10:05, Geissler de
Hm, ich bin auch der Meinung, dass im Duden einiger Unsinn steht. Auch im konkreten Fall
bin ich geneigt anzunehmen, dass der Duden hier eine Kontamination der Ausdrücke "sich
an etwas erinnern" und "sich einer Sache entsinnen" salonfähig gemacht hat.

Bei "nichtsdestotrotz" hebt ja auch kaum jemand mehr die Augenbraue.

02.02.15 12:55
Vielleicht auch nicht. Ich habe jedenfalls auch an anderer Stelle im Internet folgende Erläuterung zum Stichwort
“sich entsinnen“ gefunden:

sich jmds. / einer Sache, an jmdn. / an etwas entsinnen: sich entsinnen kann mit einem Genitivobjekt oder
Präpositionalobjekt gebraucht werden:
Ich kann mich meines Lehrers / an meinen Lehrer, seiner / an ihn, dessen / daran nicht mehr entsinnen.

Möglicherweise ist der Gebrauch mit einem Präpositionalobjekt ja nur oder zumindest überwiegend in
Norddeutschland üblich?

Viele Grüße
Birgit

02.02.15 13:39
Ich (8:15) bin aus Norddeutschland und kann mich nicht entsinnen, mich jemals an (schauder) etwas entsonnen zu haben.

04.02.15 12:42
Da muss ich den Duden verteidigen, Geissler. Die schreiben bei "nichtsdestotrotz" immerhin "Gebrauch: umgangssprachlich" :-)

Bin übrigens auch aus Norddeutschland und habe die Variante mit dem Präpositionalobjekt durchaus das eine oder andere Mal gehört. In Kombination mit dem Duden-Eintrag reicht mir das aus, um es zumindest nicht als "schlicht falsch" zu betrachten.

Andreas