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Wir lernen norwegisch bei zwei verschiedenen Lehrern. Dabei wird die Aussprache von "æ" unterschiedlich gelehrt. Was ist richtig: a oder ä.

Auf die Antwort sind dolle gespannt Olaf und Undine

07.04.08 10:28
Hei Olaf und Undine!
Das æ ist ein sehr offenes ä. Auf keinen Fall einen A.... Dafür haben wir ja das A.....hehe
Hilsen AnneG

07.04.08 10:34
Jaja, Anne, weil das Norwegische ja so einfache und immer gültige Ausspracheregeln hat... ;-)
Daniela
(die im übrigen über Deine neue Unterschrift sehr erleichtert ist, meine Norwegisch-Dozentin heißt nämlich auch Anne und ich hatte da schon so 'nen bösen Verdacht; ist aber nicht AnneG)

07.04.08 11:14
Das Problem ist, dass man durch seine Muttersprache beschränkt ist bei der Wahrnehmung der Laute.
Als Deutscher ordnet man unbewusst jeden Laut zwischen A und Ä entweder dem A oder dem Ä zu.
In Wirklichkeit unterscheidet sich die Aussprache der zwei Lehrer wahrscheinlich nur minimal. Aber die Differenz reicht aus, um das Gehirn auf zwei unterschiedliche Färten zu locken.

07.04.08 11:45, Geissler de
Hei Olaf und Undine,
mit dem Norwegischen ist es nicht anders als mit dem Deutschen: Es existieren auch unter den Muttersprachlern ergebliche Unterschiede, wie manche Laute realisiert werden. Wir nehmen das nur oft nicht bewußt wahr, weil die Ausspracheunterschiede nicht phonemisch sind (also nicht als unterschiedliche, möglicherweise bedeutungsverändernde Laute aufgefaßt werden).
Zu Eurer Frage: Beide Aussprachen kommen vor. Nur wird bei der "ä-Aussprache" das ä offener (also mehr Richtung "a") gesprochen als in der deutschen Standardlautung. Und schon gar nicht darf man sich die norddeutsche "Das Meedchen ißt Keese"-Aussprache dabei denken.
Anne, Du bist zwar die Muttersprachlerin, ich muß Dir aber widersprechen. Es gibt viele Muttersprachler, die z. B. tær als [ta:r] realisieren (neben der Aussprache [tæ:r]. (Für diejenigen unter uns, die sich nicht so mit Lautschrift auskennen: Der Doppelpunkt gibt an, daß der Vokal lang ist.)
Wer das so macht, spricht das a in tar weiter hinten aus, so daß er durchaus zwischen tar und tær unterscheidet.

07.04.08 13:51, Geissler de
... erhebliche, nicht ergebliche. Immer diese benachbarten Tasten!

Hilsen
Geissler

07.04.08 14:29
Aber diesmal wird es keiner für ein Fremdwort gehalten haben, Geissler :-)

Zu Olaf und Undine:
Bin zwar nicht mal annähernd Muttersprachler, aber ich denke auch nicht, dass es da eine richtige und falsche Aussprache gibt. Je nachdem wo jemand herkommt, oder wo und von wem er Norwegisch gelernt hat, spricht er es halt anders aus. Und ich muss Geissler recht geben, Anne, ich habe auch schon Leute gehört, bei denen være nicht anders klang als bare (nur mal so als Beispiel).
Hilsen
Daniela

07.04.08 14:33
Heisann!
Wie würdest du (ihr) den Nachnamen Dæhlie aussprechen..??
Selber spricht er ihn mit einem sehr offenem Ä aus. Klar, Dielakten unterscheiden auch in N. die Aussprachen versch. Laute. Beim Lehren der Sprache haben wir eine Vorlage mit Zeichnungen wie man den Mund öffnet bzw schnürt bei den verschiedenen Lauten. Hier wird das æ mit einem weit geöffnetem Mund, Zunge tief in ihrem "Zungenbett" gelagert, der hintere Gaumen offen, gesprochen.
Bist du Deutscher oder Norweger Geissler?? Welche Dialekt ist denn die Deine? (Nord-Norweger tendieren nämlich zu einem sehr flachen æ...)
Hilsen AnneG (Auch Dozentin, aber du, Daniela dachtest vielleicht an AnneH??)

07.04.08 15:08
Hilfe!
Wie kriege ich jetzt den Knoten wieder aus der Zunge? ;-)
Also, Dæhlie würde ich wohl mit einem deutschen Ä aussprechen, aber vermutlich nur, weil ich es aus deutschen Sportreportagen so kenne... Sollte ich wohl mal überdenken! Wie "knotet" man denn ein flaches æ?
Daniela
PS: Nein, meine heißt AnneB!
PPS: Apropos deutsche Sportreporter: "Schauen Sie mal, die junge Dame dort mit dem Schild 'Ole Einar, jeck elsker deck', das heißt bestimmt 'Ich liebe Dich'" :-)

07.04.08 16:03
Ohhhh ja; Sportreporter ist ein Volk für sich..hehe! Man sollte erwarten dass sie sich WENIGSTENS erkundigen wie die geläufigsten Namen ausgesprochen werden. Aber die norwegischen Reporter sind natürlich nicht viel besser im umgekehrten Fall. Oder wie die beiden Fußballreporter die es unmöglich fanden dass jemand "Zecke" mit Vornamen heissen konnte.....stand es ja so auf dem Trikot....HAHA!! Gemeint war natürlich Andreas "Zecke" Neuendorf von Hertha Berlin. In der Halbzeit haben sie sich wenigstens schlau gemacht, und konnten beschämend erzählend was es mit dem ZU-Namen Zecke auf sich hatte! hihihi
AnneG

07.04.08 16:07
Ist beim "Dæhlie" nicht auch noch ein dickes "L" mit drin? Macht die Zungengymnastik noch effektiver ...
Ingeling

07.04.08 16:40
Hehe...ja, das ist wohl wahr....! Obwohl das dicke L sind wir die diese Dialekt nicht sprechen, NICHT "verpflichtet" auszusprechen.....Das "æ" eher....:-)
AnneG

07.04.08 20:31
Ein dickes L? Wie geht das denn? Und ich hatte meine Zunge gerade mühsam entknotet...
Daniela

07.04.08 21:11
Dickes "L": man rolle die Zunge nach hinten und strecke sie wieder nach vorn. Auf dem Weg nach vorn soll die Zungenspitze an den vorderen Gaumen anstossen. (Wo ich diese Beschreibung gefunden habe, weiss ich nicht mehr.)
Hört sich dann etwa wie rl an. Aber um das richtig auszusprechen, muss man wohl als Norweger geboren sein ...
Ingeling :-)

07.04.08 21:32
Das vermute ich auch! Ich übe gerade fleißig (gut, dass mich niemand sieht bzw. hört hihi), aber ich glaube, da würde der Herr Dæhlie seinen eigenen Namen nicht mehr erkennen...
Daniela
PS: Ingeling, kann man Dich noch anders erreichen als über Skype? Falls ich noch was finde für Deine Sendung, bräuchte ich nicht das Forum vollzublubbern :-)

08.04.08 00:10, Geissler de
Hei Anne,
ich bin Deutscher, und zwar aus Bayern. Da ich Norwegisch erst im reiferen Alter von 25 angefangen habe zu lernen, habe ich keinen ausgeprägten Dialekt im Norwegischen; ich speche ein eher bokmålnahes Østlands-Norwegisch mit Oslo-tonelag.
Im Deutschen spreche ich mittelbairischen Dialekt, wozu auch ein sehr offenes, vorderes [a] gehört, u.a. dort wo im Standarddeutschen [ε] steht (z. B. "Antn" für "Ente"), insofern bin ich für die [a]-Aussprache von "æ" geradezu prädestiniert, und natürlich spreche ich auch mit Zungenspitzen-R. Also spreche ich den Langläufer auch ['da:ɽi] aus (bin gespannt, ob die Lautschrift rüberkommt).

Vorhin habe ich noch etwas bei Endresen, Fonetikk og fonologi gefunden:
"Men de må nemnas at uttalen av vokalen i ordet bær varierer sterkt på Austlandet -- ein hører praktisk talt «alle» opningsgrader frå [ε] til [a]."

Gruß
Geissler

08.04.08 00:20, Geissler de
Hallo Daniela,
zum "tykk l": Das Stichwort heißt "retrofleks" bzw. "retroflex". Ein ganz interessantes Thema, für Dich aber nur relevant, wenn Du ein Zungenspitzen-R sprichst.
Das ist der Laut, den Leute vom Østlandet und weiter nørdlich sprechen, wenn r und l zusammenstoßen, und noch bei einigen weiteren "l"s. Andere retroflexe Laute sind "rt", "rd" und "rn". Retroflex eben, wie Ingeling schon geschrieben hat, weil die Zungenspitze zurückgebogen wird. Gibt's übrigens auch in Hindi!
Ich kann's. :-)

Gruß
Geissler

08.04.08 01:30
Hei Daniela,
hast recht. Ist auch nicht nötig, das Forum mit meinen speziellen Sachen vollzuladen - obwohl ich natürlich gern ein bisschen Reklame mache für Radio700. Ist halt mein persönliches Faible, wenn auch nicht jedermanns Geschmack hihi! Aber das kommt, das kommt - und es läuft die ganze Nacht!
Meine email-adresse ist ingekroll@yahoo.com
hilsen fra Norge
Ingeling

08.04.08 10:21
Hei Geissler,
Du kannst Hindi?! Oder doch "nur" das Zungenspitzen-R?
Wenn ich das "offene æ", das "dicke L" und Deine Lautschrift mit einbeziehe, kommt bei mir übrigens eher "dårlig" raus, und so möchte der arme Mann doch bestimmt nicht heißen... Ich glaube, ich gebe es auf! :-(
Grüße
Daniela

08.04.08 10:57, Geissler de
Hei Daniela,
nein, Hindi kann ich nicht, aber ich weiß eben, daß es retroflexe Laute in dieser Sprache gibt, und sie sind auch Teil des Akzents von Hindi-Sprechern, wenn sie Englisch oder Deutsch sprechen. Ich habe das nur erwähnt, weil das Norwegische(und Schwedische) mit den Retroflexen und dem Tonakzent einige Besonderheiten aufweist, die in Europa sonst nur ganz selten vorkommen.

"Nur" das Zungenspitzen-R zu können, wäre übrigens für einen Bayern keine besondere Fähigkeit ;-) Nein, ich meine, daß ich die retroflexen Laute kann.

Mit "dårlig" liegst du eigentlich ziemlich richtig, nur daß natürlich der Vokal nicht stimmt. Das "å" ist ein halbgeschlossener, hinterer Vokal, in Lautschrift ['do:ɭi].
Ich weiß nicht, woher in Deutschland Du kommst (wegen "'nen" hätte ich erst mal auf Thüringen getippt, aber das sagt man auch anderswo), aber vielleicht kannst Du Dir vorstellen, wie ein Bayer "daad i" (täte ich) sagt: mit einem sehr hellen a. So ähnlich klingen die Vokale in meiner Aussprache von "Dæhlie".

08.04.08 11:20
Hei Geissler,
Ja, das mit dem R, das können die Bayern! :-)
Vielleicht wundert sich manch einer auch über meine Fragerei, aber wenn ich eine Sprache lerne, dann versuche ich es auch richtig. Ich kriege eine Krise, wenn jemand behauptet, Englisch zu können und dann kein TH hinbekommt! Ich werde also einfach weiterüben...
Daniela
PS: Nee, ich komme nicht aus Thüringen, ich bin aus Herzog Widukinds Stamm :-)

08.04.08 13:09, Geissler de
Aus Widukinds Stamm, soso. Immer noch sauer wegen der "roten Beeke"? ;-)
Apropos "th": Kennst Du die Berlitz-Werbung schon?
http://www.youtube.com/watch?v=YsCR9Y4Ymvo

Geissler

08.04.08 13:10
Hei Geissler,
hat der Elch (elg) eigentlich nur im Innlandet das dicke "L" oder ist das weiter verbreitet?

Ich glaube gelesen zu haben, dass neben den Norwegern und Schweden auch die Isländer diese alten Laute noch haben, die schreiben sie sogar mit einem eigenen Buchstaben - so ein kleines d mit einem Querstrich?

Ingeling

08.04.08 13:35
hust hust- Konsonanten muss es wohl heissen
Ibgeling

08.04.08 14:10, Geissler de
Hei Ingeling,
das mit dem Elch müssen die Muttersprachler beantworten -- da bin ich echt überfragt. Die mit skarre-r werden kein dickes L sprechen, aber sonst?

Der isländische uchstabe ist aber etwas anderes. Du meinst das "edh", das sich auf Isländisch "ð" schreibt, oder? Das ist aber der Laut, dem im Englischen das stimmhafte "th" entspricht, wie in that.
Den Laut gab es früher in allen germanischen Sprachen, aber heute bekanntlich nicht mehr im Schwedischen und Norwegischen.

08.04.08 14:57
takk Geissler,
hast natürlich recht mit dem "th".

Das skarre-r (Rachen-R) wird wohl nur ganz unten im Süden und ein bisschen im Westen hinauf gesprochen (Einfluss von Europa?). Ich nehme an, das rollende Zungen-R ist allgemein gebräuchlicher und dementsprechend auch das dicke "L"
Ingeling

09.04.08 11:42, Geissler de
Es herrscht relativ große Einigkeit darüber, daß sich das Rachen-R, soweit es in den germanischen Sprachen verbreitet ist, seit dem 17./18. Jahrhundert aus dem Französischen kommend als Prestigeaussprache etabliert hat.
Der Vorgang ist noch lange nicht abgeschlossen. An der norwegischen Westküste hat es sich zuerst in den Städten ausgebreitet und ist derzeit vielerorts dabei, auch die umliegenden Gebiete zu erobern, wo ältere Leute noch Zungenspitzen-R sprechen, junge Leute aber "skarrer".
Auch in Deutschland ist das Rachen-R eine recht junge Entwicklung; in vielen Dialektgebieten hat es sich erst im 20. Jahrhundert durchgesetzt. In Bayern gilt es aber immer noch als Sprachfehler. ;-)

Gruß
Geissler

09.04.08 20:37
Hei Geissler,
Danke noch mal für den Link. Habe mich köstlich amüsiert. Genau solche Exemplare meinte ich!
D.

12.04.08 14:24, Silkemyk
Also, eigentlich seid Ihr ja schon durch mit der Diskussion, aber mir fiel da zu dem retroflexen "l" noch was ein (bin nämlich Logopädin...): ist ganz einfach zu lernen. Im Englischen wird nämlich das "r" retroflex gebildet. Sprich ein englisches r und hebe die Zungenspitze an den Gaumen. Fertig ist das retroflexe L. Gruß vom Heinzelnisse-Neuling Silke