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Hallo!

Sind norwegische Zeitungen, Zeitschriften etc. jeweils komplett in Nynorsk oder Bokmål geschrieben?

Gibt es Hausschreibungen, die innerhalb Nynorsk bzw. Bokmål Festlegungen treffen? Falls ja: Werden auch Gastbeiträge und Leserbriefe in die jeweilige Hausschreibung übertragen, oder gilt das als bevormundend?

Werden auch Dialekte regelmäßig verschriftlicht? In Deutschland sehe ich das äußerst selten, und dann meistens humoristisch gebraucht.

07.03.18 14:10
Hei,

Es gibt Zeitungen in denen überwiegend bokmål oder überwiegend nynorsk geschrieben wird. In vielen Zeitung sind Artikel auch in der einen oder anderen Sprache gedruckt. Es ist einfach gesagt eine Frage wo im Lande. Im Süden und Osten ist meist bokmål gebraucht. Im Westen dagegen meist nynorsk. Es gibt ab und an auch Artikel in Dialekten. Darüber lacht hier niemand. Es gibt ganze Bücher in Dialekten. Ich habe z.B. eine Autobiographie von Peder Bjørnson (der Vater von Bjørnstjerne) im Mandalsdialekt. Gastbeiträge in Zeitungen werden normal so veröffentlicht wie sie die Redaktion erreichen. Dialekte spielen in Norwegen eine wesentliche Rolle. Sie werden gepflegt. Das macht die Kommunikation nicht einfacher. Eine Hochsprache wie in Deutschland mit mehreren Dialekten gibt es bei uns nicht. Wir haben aber auch keine vergleichbaren Sprachen wie Niederdeutsch, Friesisch, Helgoländisch oder Sorbisch. Es gibt die drei offiziellen Sprachen; bokmål, nynorsk und samisk. Wobei es in allen drei Sprachen Dialekte gibt. Ich hoffe Dir ein bisschen geholfen zu haben.

Med vennlig hilsen fra Claus i Kristiansand

07.03.18 14:32
Ergänzen möchte ich: es heißt, es gibt zwei offizielle Sprachen: Norwegisch und Samisch. Norwegisch hat zwei Schriftsprachen (u. jeweils radikale bzw. moderate Varianten davon), während Samisch in mehreren Sprachen untergliedert ist. Diese sind soweit ich weiß gleichberechtigt, obwohl Nordsamisk/Davvisámegiella die mit Abstand größte ist, aber korrigier mich wenn ich falsch liege.

Universitäten, NRK und andere öffentlich geförderte Institutionen müssen laut Målloven einen gewissen Anteil ihrer Artikeln usw. in der jeweiligen norwegischen Minderheitenschriftsprache veröffentlichen.

Ich habe vor langer Zeit das Nationalbuch von Kristiansand, Kilden, gelesen. Das war soweit ich mich erinnern kann auch in Dialekt geschrieben :) Schönes Buch!

Ansonsten würde ich behaupten, dass verschriftlichte Dialekte (also von Bokmål oder Nynorsk abweichende Varianten) in der Öffentlichkeit eher selten sind. Das ist jedenfalls meine Wahrnehmung.
-Tutankoopa

07.03.18 15:03
Vielen Dank euch beiden, das hat mir tatsächlich sehr geholfen.

07.03.18 16:26, Geissler de
Zum Thema Hausschreibung: Ja, so etwas Ähnliches existiert in der Tat, wenngleich die
Handhabung heute etwas lockerer zu sein scheint.

Am Beispiel der Zeitungen Aftenposten und Dagbladet: In Aftenposten wurde bis in
die 1980er Jahre "Riksmål", eine sehr konservative Form des Bokmål, verwendet, wo
Formen wie "sprog" und "efter" vorkamen, die dem Dänischen näherstehen als dem
Norwegischen, und in der Regel das felleskjønn verwendet wird, also feminine
Substantive maskulin gebeugt werden.
Auch in den 90ern konnte man solche Formen noch in der Zeitung lesen.

Inzwischen hat man eine Hausschreibung, die als "moderates Bokmål" bezeichnet wird.

Dagbladet dagegen, als eine politisch weiter links stehende Zeitung, verwendete ein
radikaleres Bokmål, das sich u. a. durch weitgehende Verwendung weiblicher Formen
auszeichnet.

07.03.18 17:28
Von Aftenposten weiß ich, dass Leserbriefe und kronikker so wie eingereicht gedruckt werden. Nynorsk ist da in der Minderheit, aber gar nicht so selten.